Ein Garten voller leuchtender Blüten ist nicht nur hübsch anzusehen. Er kann nebenbei Bienen, Schmetterlinge und zahlreiche weitere Insekten fördern, die für eine gesunde Natur unverzichtbar sind.
Viele Menschen gehen davon aus, dass allein Wildpflanzen diese Aufgabe zuverlässig erfüllen können. Neue Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass auch ordentlich wachsende, farbenfrohe Gartenpflanzen einen Beitrag leisten.
Wie Gärten Bestäuber unterstützen
Eine Untersuchung der Northwestern University und des Chicago Botanic Garden liefert Hobbygärtnern ermutigende Erkenntnisse: Sorgfältig gezüchtete Gartenpflanzen können Bestäuber weiterhin anziehen.
Solche Pflanzen werden häufig wegen ihrer gleichmäßigen Wuchsform, kräftigen Farben und unkomplizierten Pflege ausgewählt. Trotz der züchterischen Gestaltung durch Menschen bieten einige von ihnen Insekten noch immer Nahrung und Schutz.
So zogen etwa die gezüchtete Goldsturm-Sonnenhut-Sorte Rudbeckia fulgida „Goldsturm“ sowie der Rote Fingerhut-Bartfaden Penstemon digitalis „Husker Red“ fast ebenso viele Bestäuber an wie Wildpflanzen.
Andere Sorten schnitten dagegen weniger gut ab. Das verdeutlicht, dass die Pflanzenauswahl selbst innerhalb gezüchteter Varianten entscheidend ist.
Warum Bestäubergärten heute wichtig sind
Bestäubergärten sind in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Auslöser dieser Entwicklung war die Beobachtung von Wissenschaftlern, dass die Zahl der Honigbienen stark zurückging. Seither pflanzen Menschen Blumen in Hausgärten, Parks und sogar an Straßenrändern, um Insekten zu unterstützen.
„Die Bewegung für Bestäubergärten ist ein vergleichsweise neuer Ansatz zum Erhalt der biologischen Vielfalt“, sagte Nicholas Dorian vom Chicago Botanic Garden.
Naturschutz beschränkt sich damit nicht mehr auf große Wälder oder Nationalparks. Auch kleine Maßnahmen zu Hause tragen inzwischen zum Schutz der Natur bei.
Gärtnern für Einsteiger einfacher machen
Viele Einsteiger sind unsicher, wenn sie einen Bestäubergarten anlegen möchten. Ein vollständig naturnaher Garten kann ungeordnet wirken und schwer zu pflegen erscheinen. Diese Sorge hält viele davon ab, überhaupt den ersten Schritt zu machen.
„Unsere Ergebnisse unterstreichen, dass sich ökologischer Wert und Ästhetik nicht gegenseitig ausschließen müssen“, sagte Dorian.
„Viele Menschen könnten daran interessiert sein, sich an der Bewegung für Bestäubergärten zu beteiligen, fühlen sich aber eingeschüchtert. Einen Garten oder Vorgarten in einen wilden Bereich zu verwandeln, kann abschreckend wirken.
„Eine zentrale Erkenntnis unserer Studie ist, dass gezüchtete Pflanzen mit ästhetischem Reiz weiterhin Bestäuber in den Garten locken können und ein wirklich guter Einstieg für Menschen sein können, die noch unentschlossen sind oder nicht die Zeit oder Mittel haben, gezielt nach Wildtypen zu suchen.“
Diese Botschaft macht es mehr Menschen leichter, einen Versuch zu wagen.
Untersuchung der Pflanzenleistung
Forschende der Northwestern University und des Chicago Botanic Garden entwickelten sorgfältig angelegte Experimente.
Im Chicago Botanic Garden pflanzten die Wissenschaftler Wildpflanzen und gezüchtete Sorten gemeinsam an. Über einen Zeitraum von zwei Jahren beobachteten Fachleute regelmäßig die Besuche von Insekten.
Jede Beobachtung dauerte zehn Minuten. In dieser Zeit erfassten die Wissenschaftler Bienen, Schmetterlinge, Käfer und andere Insekten, die die Blüten besuchten. Mit dieser Methode ließen sich tatsächliche Unterschiede zwischen den Pflanzentypen nachvollziehen.
Um die Studie aussagekräftiger zu machen, beteiligten sich zudem Freiwillige im Osten der Vereinigten Staaten an dem Projekt.
Die Teilnehmenden setzten ähnliche Blumen in ihre Hausgärten und dokumentierten die Insektenbesuche mit derselben Methode. Dadurch konnte das Team untersuchen, wie die Pflanzen unter Alltagsbedingungen abschneiden.
Nicht alle Blumen wirken gleich
Die Studienergebnisse zeigten ein klares Muster: Insgesamt lockten Wildpflanzen weiterhin die meisten Insekten an. Einige gezüchtete Pflanzen erzielten jedoch ebenso gute Ergebnisse. Andere zogen weniger Bestäuber an.
„Keine der Pflanzen wurde von Insekten vollständig ignoriert“, sagte Dorian. Das bedeutet, dass selbst weniger leistungsstarke Pflanzen noch einen gewissen Nutzen bieten. Gegenüber eintönigen Rasenflächen unterstützt nahezu jede blühende Pflanze Bestäuber stärker.
Dieses Ergebnis erklärt, weshalb gezüchtete Pflanzen oft unterschiedlich bewertet werden. Manche funktionieren gut, andere nicht. Eine bewusste Auswahl ist daher wichtig.
Eine praktische Wahl für alltägliche Gärten
Wildpflanzen zu finden, kann vielerorts schwierig sein. In Gartencentern sind meist gezüchtete Sorten erhältlich. Dadurch werden die neuen Erkenntnisse für den Gartenalltag besonders nützlich.
„Wenn Sie Insekten in einen begrünten Bereich locken möchten und nur eine der von uns bewerteten Zuchtsorten finden können, ist sie sicherlich besser als Rasen“, sagte Dorian. Schon eine kleine Veränderung kann etwas bewirken.
Eine Mischung aus Wildblumen und gezüchteten Blütenpflanzen ist eine praktische Lösung. Dieser Ansatz hält Gärten ordentlich und hilft zugleich der Natur.
Blumen zur Unterstützung von Gärten
Die Forschenden wiesen auch auf eine Einschränkung hin. Bei großen Naturschutzprojekten sollten gezüchtete Pflanzen Wildpflanzen nicht ersetzen, denn zum wirksamen Schutz von Ökosystemen werden natürliche Arten benötigt.
Dorian warnte zudem vor bestimmten Blütentypen. „Wichtig ist, dass keine der Zuchtsorten in unserer Studie eine zusätzliche Blütenblattbildung aufwies, die als ‚gefüllte Blüten‘ bezeichnet wird“, sagte Dorian.
Bei solchen Blumen ist der Zugang zum Nektar häufig versperrt, weshalb sie für Insekten weniger nützlich sind. Für ein erfolgreiches Ergebnis bleibt die Wahl der passenden Pflanzen entscheidend.
Die Forschung vermittelt eine hoffnungsvolle Botschaft. Um Bestäuber zu fördern, braucht es weder perfektes Wissen noch einen wild aussehenden Garten. Kleine, durchdachte Entscheidungen können einen positiven Einfluss haben.
„Wir möchten Menschen darin bestärken, dass sie Einfluss auf die Zukunft der biologischen Vielfalt an ihrem Wohnort nehmen können“, schloss Dorian.
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