Pflanzen verändern sich weltweit schleichend – und die meisten Menschen bemerken es nicht. Neue Pflanzenarten aus anderen Ländern wachsen an Orten, an denen sie zuvor nicht vorkamen.
Eine von der Universität Wien geleitete Studie zeigt, wie stark dieses Problem zunimmt und welche Entwicklungen künftig möglich sind.
Was sind gebietsfremde Pflanzen?
Als gebietsfremde Pflanzen gelten Arten, die Menschen von einem Ort an einen anderen bringen. Sie werden für die Landwirtschaft, den Gartenbau oder den Handel eingeführt. Einige dieser Pflanzen gedeihen in ihrer neuen Umgebung und verbreiten sich selbstständig.
Viele invasive Pflanzen richten Schäden an. Sie können Flächen dominieren, heimische Pflanzen verdrängen, die Ernteerträge verringern und sogar die menschliche Gesundheit beeinträchtigen.
So lösen manche Arten schwere Allergien aus. Daher betrachten Forschende Pflanzeninvasionen als ein ernstes globales Problem.
Wo invasive Pflanzen heute wachsen
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten 9.701 Pflanzenarten aus verschiedenen Weltregionen. Dafür nutzten sie umfangreiche Datenbanken wie die Global Naturalized Alien Flora database und die Global Biodiversity Information Facility.
Zusätzlich berücksichtigte das Forschungsteam Faktoren wie Temperatur, Niederschlag und Landnutzung. Mithilfe von Computermodellen ermittelten sie, wo diese Pflanzen heute vorkommen und in welchen Gebieten sie künftig wachsen könnten.
Auf diese Weise erstellte das Team Karten, die Gebiete mit einem hohen Risiko für Pflanzeninvasionen darstellen.
„Insgesamt stellten wir fest, dass ein Drittel der globalen Landfläche derzeit für mindestens 10 % dieser gebietsfremden Arten geeignet ist. Damit sind diese Gebiete Invasionshotspots, in denen das Vorkommen zahlreicher gebietsfremder Pflanzen zu erwarten ist“, sagte Ali Omer, Hauptautor der Studie.
Die meisten Hotspots liegen in warmen Regionen, etwa in Teilen Europas, Nordamerikas und Australiens. Dort finden viele Pflanzen günstige Wachstumsbedingungen vor.
Warum menschliche Aktivitäten eine große Rolle spielen
Menschliche Aktivitäten erleichtern die Ausbreitung dieser Pflanzen. Wenn Menschen Flächen roden oder Städte bauen, verschwinden heimische Pflanzen. Dadurch entsteht Raum, in dem sich neue Arten ansiedeln können.
Auch Reisen und Handel transportieren Samen von einem Ort zum anderen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass gebietsfremde Pflanzen in neuen Regionen Fuß fassen.
In manchen Regionen könnten bereits mehr invasive Pflanzen vorkommen, als bekannt ist, doch den Forschenden fehlen möglicherweise noch ausreichend Daten.
Wie sich invasive Pflanzen künftig verlagern
„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Gesamtausdehnung der Hotspots zwar nur moderat zunehmen könnte, sich ihre Verteilung jedoch erheblich verändern wird“, erklärte Franz Essl, leitender Autor der Studie.
Die Gesamtzahl der Hotspot-Gebiete dürfte nicht stark steigen, ihre Lage wird sich jedoch verschieben. Die Hotspots werden sich in kühlere Regionen verlagern.
Das bedeutet, dass Gebiete, die heute noch kalt sind, künftig stärker von Pflanzeninvasionen betroffen sein könnten. Gleichzeitig könnten in sehr heißen und trockenen Regionen weniger invasive Pflanzen vorkommen.
Nördliche Wälder und Polarregionen weisen derzeit weniger gebietsfremde Pflanzen auf, könnten jedoch bald vielen neuen Arten geeignete Bedingungen bieten. Das kann heimische Ökosysteme schädigen, da diese Gebiete besonders empfindlich und artenärmer sind.
Selbst geringe Veränderungen können in diesen kälteren Regionen große Folgen haben.
Neue Pflanzen ersetzen bestehende Arten
„Es wird erwartet, dass sich nicht nur die Lage der Invasionshotspots, sondern auch die Identität der eindringenden Arten verändert“, sagte Omer.
„Wir erwarten, dass eine neue Gruppe gebietsfremder Pflanzenarten, die an wärmere Bedingungen angepasst ist, in viele Regionen eindringen wird“, erklärte Essl.
An vielen Orten könnten neue Pflanzen die derzeit vorkommenden Arten verdrängen. Dadurch könnten sich das Erscheinungsbild und die Funktionsweise lokaler Ökosysteme grundlegend verändern.
Die Temperatur ist der wichtigste Faktor dafür, wo Pflanzen wachsen können. Wärmere Bedingungen ermöglichen es mehr Arten, in neuen Gebieten zu überleben.
Auch Niederschlag und Boden spielen eine Rolle, doch die Temperatur hat den stärksten Einfluss. Mit der Erwärmung der Welt werden mehr Gebiete für diese Pflanzen geeignet sein.
Folgen für Menschen und Natur
Wenn sich diese Pflanzen in neue Gebiete ausbreiten, können sie sowohl die Natur als auch Menschen beeinträchtigen. Sie können Nutzpflanzen schaden, die biologische Vielfalt verringern und gesundheitliche Probleme verursachen.
Viele der neuen Gebiete mit hohem Risiko sind zugleich dicht besiedelte Regionen. Das verschärft die Problematik.
Die Studie vermittelt ein klares Bild davon, wo die Risiken von Pflanzeninvasionen derzeit am größten sind und wo sie künftig zunehmen könnten.
Die Forschung zeigt, dass Pflanzeninvasionen kein unveränderliches Problem sind. Sie wandeln sich fortlaufend mit dem Klima und menschlichen Aktivitäten. Ein Verständnis dieser Veränderungen kann Ländern helfen, frühzeitig zu handeln und sowohl Natur als auch Menschen zu schützen.
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