Die Renovierung eines Schlafzimmers im Norden Englands nahm eine unerwartete Wendung, als Flecken unter dem Putz plötzlich Augen, Schnauzen und Gesichter erkennen liessen. Die Eigentümer von The Ashes, einem ehemaligen Gasthaus in Cumbria, stiessen auf Tudor-Wandmalereien, die nahezu fünf Jahrhunderte lang unter mehreren später aufgetragenen Oberflächenschichten verborgen gewesen waren.
Wann tauchten die Gesichter auf?
Während das Paar beschädigten Putz in einem Raum im Obergeschoss entfernte, bemerkte es Linien und Formen, die nicht wie gewöhnliche Verfärbungen wirkten. Mit jeder freigelegten kleinen Fläche kamen Tierköpfe, Blattwerk, Hasen und ungewöhnlich aussehende menschliche Figuren zum Vorschein.
Statt weiter abzukratzen, zogen die Eigentümer Fachleute hinzu. Diese Entscheidung war entscheidend, denn historische Malereien können sich zusammen mit dem Putz lösen, auf Feuchtigkeit reagieren oder durch eine scheinbar harmlose Reinigung Pigmente einbüssen. Das Gebäude in Endmoor, Cumbria, wurde ursprünglich als Tudor-Jagdpavillon errichtet und später so umgebaut, dass es zunächst als Gasthaus und danach als Wohnhaus diente.
Was wurde auf die Wände gemalt?
Das Ensemble verbindet fantastische Wesen und pflanzliche Motive zu dekorativen Kompositionen. Hasen, Gesichter, Blätter und Mischformen erzeugen ein Bild, das sich deutlich von der neutralen Oberfläche unterscheidet, welche die Malerei bislang verdeckt hatte.
- Tierköpfe sind zwischen gemalten Zweigen und Blattwerk zu sehen.
- Hasen füllen Teile der Komposition mit Bewegung und Wiederholungen.
- Seltsame menschliche Gesichter verschmelzen mit natürlichen und fantastischen Formen.
- Erhaltene Fragmente zeigen, dass die ursprüngliche Dekoration eine wesentlich grössere Fläche einnahm.
Fachleute datieren die Malereien in das 16. Jahrhundert. Die erhaltenen Reste bilden vermutlich nur einen Teil eines umfangreicheren Dekorationsschemas, das durch Umbauten, Wandöffnungen und im Lauf der Gebäudegeschichte aufgebrachte neue Schichten unterbrochen wurde. Erdfarbene Pigmente in Rot, Schwarz und Ocker bilden Linien und Flächen; ihr Erhalt hängt von der Stabilität des Kalk- und Putzuntergrunds ab.
Warum wurde eine so aufwendige Dekoration überdeckt?
Geschmäcker verändern sich, Räume erhalten neue Nutzungen, und alte Oberflächen werden ausgebessert, ohne dass auf darunterliegende Schichten geachtet wird. Die Malereien könnten zudem als altmodisch gegolten oder mit früheren Eigentümern verbunden worden sein, was das Überputzen und Überstreichen begünstigte.
Ausgerechnet das Verbergen trug zu ihrem Erhalt bei. Die Schicht, die die Figuren dem Blick entzog, schützte sie zugleich vor Licht, Rauch, Berührungen und späteren Eingriffen, auch wenn Feuchtigkeit und die Haftung des Putzes weiterhin Risiken darstellten. Historic England stufte den Fund als selten ein, da häusliche Wandmalereien aus dieser Zeit bei späteren Renovierungen oft entfernt, übermalt oder zerstört wurden.
Was verraten die Bilder über das Tudor-Haus?
Wandmalereien boten die Möglichkeit, Innenräume zu gestalten, bevor Tapeten weit verbreitet waren. Naturmotive, Kreaturen und Muster konnten Geschmack, Wohlstand und kulturelle Bezüge der Bewohner ausdrücken und ein Schlafzimmer in eine eindringliche Gesamtkomposition verwandeln.
Eine moderne Baustelle kann Vergangenes sichtbar machen, wenn sie Schichten entfernt, die über Jahrhunderte geschützt blieben. Der Alltag eröffnet Zugänge, die eine geplante Untersuchung möglicherweise nie erreicht hätte.
Warum muss die Restaurierung langsam erfolgen?
Würde der gesamte Belag auf einmal abgenommen, könnten die empfindlichen Ränder zerstört oder die Pigmente destabilisiert werden. Bevor sie entscheiden, wie viel offengelegt werden soll und wie jedes Fragment gesichert werden kann, müssen Restauratoren Materialien, Feuchtigkeit und frühere Eingriffe kartieren.
Der Wunsch, alles sehen zu wollen, ist nachvollziehbar, doch Erhaltung verlangt Geduld. Die Gesichter warteten fast 500 Jahre unter dem Putz. Nachdem sie nun wieder sichtbar geworden sind, geht es nicht darum, die Überraschung zu beschleunigen, sondern darum, dass sie noch über viele Generationen hinweg in den Raum blicken können.
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