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Fairphone 6+ im Test: Das ethische Smartphone auf dem Prüfstand

Junger Mann repariert einen geöffneten Smartphone mit kleinen Bauteilen an einem Holztisch.

Fairphone bietet seit einigen Jahren ethisch produzierte Smartphones an und vergütet sämtliche Glieder seiner Lieferkette fair. Dieses moralische Engagement schlägt sich im Preis des Fairphone 6+ nieder – doch welche tatsächlichen Kompromisse sind dafür nötig? Die Antwort liefert unser Test.

Entgegen aller Erwartungen hat Fairphone mit dem Fairphone 6+ ein neues Smartphone vorgestellt. Es erscheint bereits ein Jahr nach dem Modell 6. Ein für die Tech-Branche völlig gewöhnlicher Erneuerungsrhythmus, für eine Marke, die ihren ökologischen Fußabdruck möglichst klein halten möchte und früher längere Produktzyklen hervorhob, jedoch überraschend.

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Die Weiterentwicklung fällt allerdings überschaubar aus und richtet sich damit eher an Neukäufer als daran, Besitzer des Vorgängers zum Wechsel zu bewegen. Das ist einerseits positiv, weil der Kauf die Umwelt dadurch voraussichtlich weniger belastet. Andererseits bleiben die meisten Schwächen des FP6 bestehen.

Doch urteilen wir nicht vorschnell, zumal das Fairphone 6 wohl das erste Modell der Reihe war, das man wirklich empfehlen konnte. Vermutlich erklärt das auch, weshalb es sich am besten verkauft hat.

Technische Daten: kaum Veränderungen

Das Fairphone 6+ ist kein Fairphone 7. Es erfindet das Rad nicht neu und übernimmt fast das vollständige Datenblatt seines Vorgängers. Zwei Ausnahmen gibt es: Der Snapdragon 7s Gen 3 weicht einem Gen 4, zudem wächst der LPDDR5-Arbeitsspeicher von 8 auf 12 GB. Mehr ändert sich nicht.

Fairphone 6+
Abmessungen 156,5 x 73,3 x 9,6 mm
Gewicht 191 Gramm
Display 6,31-Zoll-P-OLED-Display, Full HD+, 120 Hz (standardmäßig 90 Hz), 1.400 Nits
Prozessor Qualcomm Snapdragon 7s Gen 4
Arbeitsspeicher 12 GB
Speicher 256 GB
Betriebssystem Android 16 oder Murena /e/OS
Kamerasensoren 50-Megapixel-Weitwinkelsensor (f/1.6)
13-Megapixel-Ultraweitwinkelsensor (f/2.2)
Selfie-Sensor 32 Megapixel
Biometrie Fingerabdrucksensor am Rahmen
Akku 4415 mAh
IP-Zertifizierung IP55
Farben Grün, Schwarz, Blau

Alles andere bleibt vollkommen gleich: Design, IP55-Zertifizierung, Kameramodule, Display und Akku. Der Preis steigt wegen des größeren Arbeitsspeichers (in dieser Wirtschaftslage!!!) zwar an, aber nur moderat. Statt 600 kostet das Gerät 650 Euro, was angesichts der allgemeinen Preissteigerungen im gesamten Markt noch relativ vernünftig ist.

Der Fairphone-Gedanke

Zunächst muss man die Philosophie von Fairphone in Erinnerung rufen, denn sie erklärt sowohl die Kompromisse als auch den im Verhältnis zum Datenblatt hoch wirkenden Preis. Dieser Punkt ist entscheidend, um zu verstehen, weshalb ein Gerät mit weitgehend ähnlicher Ausstattung wie ein Nothing Phone (4a) zum doppelten Preis angeboten wird.

Fairphone wurde 2010 gegründet, um ein ethisches Smartphone anzubieten und die zahlreichen seltenen Erden, die gewöhnlich unter problematischen Bedingungen abgebaut werden, anders zu beschaffen. Kobalt etwa, das in Lithium-Ionen-Akkus technischer Produkte steckt, stammt zu großen Teilen aus der Demokratischen Republik Kongo in Afrika. Diese Minen sind mit bewaffneten Konflikten, Krankheiten für die umliegende Bevölkerung und der Ausbeutung von Kindern verbunden.

Deshalb beteiligt sich Fairphone an der Fair Cobalt Alliance, investiert in ethische Minen, bezahlt Arbeiterinnen und Arbeiter angemessen und hält Kinder von den Minen fern. Mit seiner neuen Farbe Kobaltblau würdigt das Fairphone 6+ diese Initiative.

Wer ein Fairphone kauft, erwirbt kein gutes „Preis-Leistungs-Verhältnis“. Man kauft ein Gerät, bei dem alle Beteiligten entlang der Produktionskette fair entlohnt werden.

Die Stärken des Fairphone 6+

Ein Smartphone für eine lange Nutzung

Seit einiger Zeit versprechen Hersteller für ihre Smartphones bis zu sieben Jahre Updates, was ausgezeichnet ist. Seien wir ehrlich: Die Software ist nur selten der Grund für einen Neukauf. In sieben Jahren kann ein Akku so weit verschleißen, dass er zweimal täglich geladen werden muss, das Display kann zerbrechen oder die Kamera beschädigt werden. Solche Reparaturen sind oft teuer und verleiten dazu, lieber ein neues Smartphone zu kaufen, das manchmal besser und sogar günstiger ist.

Das Fairphone 6+ ist dagegen ein Musterbeispiel für Reparierbarkeit. Die Marke verkauft Ersatzteile direkt in ihrem Shop zu erschwinglichen Preisen. Mit einigen Dutzend Euro, einem Schraubendreher und etwas handwerklichem Einsatz lässt sich das Gerät wieder deutlich auffrischen.

Auch beim Software-Support steht Fairphone gut da und sagt Unterstützung bis 2033 zu. Falls die 256 GB interner Speicher davor knapp werden, schafft der microSD-Steckplatz zusätzlichen Spielraum, bevor ein neues Smartphone nötig wird.

Höhere Leistung

Eine der größten Schwächen des Fairphone 6 waren seine Leistungsreserven: Bei der Navigation durch die Benutzeroberfläche kam es zu spürbaren Verzögerungen. Mit dem neuen SoC und dem zusätzlichen Speicher beseitigt das 6+ diesen Mangel.

Selbst anspruchsvolle Aufgaben bewältigt der Snapdragon 7s Gen 4 souverän. Ein so forderndes Spiel wie Fortnite läuft beispielsweise bei hoher Qualität ohne Ruckler mit 60 FPS und bei „episch“ mit etwa 40 FPS. Anders gesagt: Selbst bei maximalen Einstellungen könnt ihr einen Victory Royale nach dem anderen holen, ohne euch von der Hardware ausgebremst zu fühlen (hört auf, nach Ausreden zu suchen).

Personalisierbarer Schalter und Fairphone Moments

An der rechten Seite besitzt das Fairphone 6+ einen großen gelben Schalter, der dem Gerät einen besonderen Charakter verleiht. Vor allem ist er jedoch praktisch und frei anpassbar. Mit einem Klick lassen sich etwa Flugmodus, Bitte-nicht-stören-Modus, Energiesparmodus, Taschenlampe oder der Blaulichtfilter aktivieren. Vergleichbare Funktionen bieten auch andere Hersteller, etwa OnePlus mit seiner „Plus Key“.

Standardmäßig ist der Schalter aber keiner dieser Optionen zugewiesen. Beim Betätigen aktiviert er den Modus „Moments“. Dabei handelt es sich um eine Art Konzentrationsmodus, der Ablenkungen reduziert: kein Hintergrundbild, keine Widgets außer Uhrzeit und Datum sowie nur fünf Verknüpfungen zu zuvor ausgewählten Apps. Das Konzept ähnelt dem Ansatz des Light Phone.

Der einzige Nachteil: Es bleibt verlockend, wieder zum vollständigen Homescreen zu wechseln, um das bevorzugte soziale Netzwerk zu öffnen. Wenigstens geschieht das dann bewusst und nicht mehr automatisch.

Ordentliche Akkulaufzeit

Wie der Vorgänger verfügt das Fairphone 6 über einen 4415-mAh-Akku. Durch den weiterentwickelten SoC arbeitet es jedoch effizienter. Dadurch steigt die Laufzeit auf bis zu zwei Tage bei geringer Belastung. Werden leistungshungrige Anwendungen gestartet, fällt sie kürzer aus.

Das ist eine absolut ordentliche Ausdauer, steht aber in Konkurrenz zu chinesischen Smartphones mit deutlich energiedichteren Silizium-Kohlenstoff-Akkus. Nach dem Maßstab von 2024 ist das also gut, im Jahr 2026 weniger.

Auch das Laden beeindruckt nicht besonders. Mit 30 W erreicht das Ladegerät – das nicht mitgeliefert wird – in 25 Minuten 50 % Akkustand. Das genügt, ist aber nicht spektakulär.

Die Schwächen des Fairphone 6+

Ein Design mit Verbesserungspotenzial

2025 sagte Pierre über das Fairphone 6, es sei „trotzdem nicht besonders schön“. Dieser Einschätzung stimme ich nicht vollständig zu, und das Kobaltblau des 6+ bestärkt mich darin. Das Design ist markant und wird gewiss nicht allen gefallen, doch gerade seine Eigenständigkeit gefällt mir.

Aus objektiver Sicht gibt es dennoch wichtige Punkte, die verbessert werden sollten. Rein optisch sind die Displayränder für die Standards von 2026 zu breit, wobei Menschen, die sich für ein Fairphone entscheiden, dieses Detail vermutlich kaum interessiert. Während des gesamten Tests hat mich jedoch die Position der Lautstärketasten in der Mitte der linken Seite irritiert. Tatsächlich wirkt die Ergonomie auf Linkshänder ausgelegt. Für die rund 13 % der Bevölkerung, auf die das zutrifft, ist das gut – alle anderen müssen sich umgewöhnen.

Am problematischsten ist im wörtlichen Sinn die leicht reparierbare Kunststoffkonstruktion. Damit sie möglich ist, verzichtet Fairphone auf Klebstoff und ein Unibody-Design. Folglich erreicht das Gerät nur die Schutzklasse IP55: Gegen Staub ist es ausreichend geschützt, gegen Wasser jedoch nur eingeschränkt. Spritzwasser übersteht es, ein Untertauchen dürfte es hingegen nicht überleben. Lasst es also besser nicht in die Toilette fallen.

Kamera weiterhin im Hintertreffen

Bei der Kamera entwickelt sich das Fairphone 6+ nicht weiter und übernimmt unverändert die Konfiguration des Modells von 2025. Trotz der drei Kreise auf der Rückseite gibt es nur zwei Module: eine Weitwinkelkamera mit einem 50-Mpx-Lytia-700C-Sensor sowie eine Ultraweitwinkelkamera mit 13 Mpx.

Wer die Smartphone-Kamera nur gelegentlich verwendet, kann mit dieser Ausstattung auskommen. Bei Tag und Nacht entstehen ausgewogene Aufnahmen mit natürlichen Farben. Sobald man sich allerdings Details genauer ansieht, kann das Fairphone 6+ nicht mehr mithalten.

Das Hauptproblem liegt in der fehlenden Feinzeichnung. Schon ein leichtes Hineinzoomen offenbart Unschärfen und ausgefranste gerade Linien. Sehr helle Bereiche verlieren zudem ihre Konturen und werden zu einem farbigen, nebligen Halo. Wer Fotos mit hohem Dynamikumfang mag, ist mit diesem Gerät nicht richtig beraten.

Unser Fazit zum Fairphone 6+

Der Kauf eines neuen Smartphones bleibt eine Handlung mit Folgen für den Planeten. Das einzige umweltfreundliche Technikprodukt ist jenes, das gar nicht hergestellt wird. Dennoch lässt sich der eigene Einfluss begrenzen, und genau das versucht Fairphone zu ermöglichen.

Wer sein altes Smartphone durch ein Fairphone 6+ ersetzt, trifft eine konsumorientierte, engagierte Entscheidung. Man akzeptiert einen höheren Preis als den Marktpreis, um eine verantwortungsvollere Beschaffung zu finanzieren. Mit jeder neuen Generation verbessert die kleine niederländische Marke ihr Konzept und bietet inzwischen ein Smartphone, das im Alltag angenehm zu nutzen und sogar wirklich begehrenswert ist.

Eine solche engagierte Entscheidung verlangt allerdings ebenfalls Kompromisse: zunächst beim Preis, aber auch bei praktischen Aspekten wie der Kamera, die gegenüber der Konkurrenz weiterhin zurückliegt. Alternativ kommt ein generalüberholtes Smartphone infrage. Ein Pixel 10 Pro bewegt sich gebraucht beispielsweise in derselben Preisklasse wie ein neues Fairphone 6+. Ökologisch ergibt das fast noch mehr Sinn. Ethisch jedoch reicht nichts an Fairphone heran.

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Fairphone 6+

649 €

7

Kategorie Wertung
Design & Haltbarkeit 9.0/10
Display 7.5/10
Leistung & Akkulaufzeit 7.5/10
Kamera 5.0/10
Preis-Leistungs-Verhältnis 6.0/10

Das gefällt uns

  • Der Fairphone-Gedanke
  • Die Verzögerungen des 6 gehören der Vergangenheit an
  • Saubere und langfristige Software

Das gefällt uns weniger

  • Die Kamera liegt deutlich zurück
  • Der Preis seiner Werte
  • Nur IP55

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