Im März kann dieser automatische Reflex jedoch unnötig teuer werden.
In immer mehr europäischen Haushalten richtet sich das Heizen nach Uhrzeit sowie Strom- und Gaspreisen. Dabei rückt eine auf den ersten Blick harmlose Gewohnheit in den Mittelpunkt: Rollläden schon um 18 Uhr zu schließen. Lange Zeit galt das als verlässlicher Weg, Wärme im Haus zu halten. Im März kann die Regel aber nachteilig sein. Wer zu früh abdunkelt, hält möglicherweise kostenlose Sonnenenergie draußen und erhöht unbemerkt seine Heizkosten.
Warum die 18-Uhr-Regel im März zum Nachteil werden kann
Mitten im Winter erscheint es sinnvoll, die Rollläden früh herunterzulassen. Es wird rasch dunkel, die Außentemperaturen sinken deutlich, und jede zusätzliche Abschirmung nach außen hilft. Deshalb haben viele Menschen eine feste Gewohnheit entwickelt: „18 Uhr, Rollläden runter.“
Im März funktioniert diese Routine jedoch nicht mehr uneingeschränkt. Die Tage verlängern sich, die Sonne steht höher und spendet selbst am Nachmittag noch merklich Wärme – besonders an Süd- und Westfassaden. Wer dort konsequent bereits um 18 Uhr alles verschließt, unterbricht eine kostenlose Wärmequelle.
Wer im März seine Rollläden zu früh schließt, verzichtet häufig auf mehrere Stunden Gratis-Sonnenwärme und riskiert höhere Heizkosten.
Dazu kommt ein psychologischer Aspekt: Wird es in der Wohnung früh dunkel, schaltet man eher Lampen ein, fühlt sich schneller im „Abendmodus“ und stellt die Heizung oft großzügiger ein. Aus der vermeintlichen Sparmaßnahme wird damit leicht das Gegenteil.
Wie viel Heizwärme geht tatsächlich über Fenster verloren?
Fenster sind weiterhin eine Schwachstelle in der Gebäudehülle. Bei Häusern mit schlechter Dämmung entweichen darüber etwa 10 bis 15 Prozent der Heizwärme. In einzelnen Gebäuden mit vielen alten Fenstern können die Verluste sogar bis zu einem Viertel der Gesamtverluste ausmachen. Fachstellen wie die französische Umweltagentur ADEME weisen darauf hin, dass geschlossene Rollläden die Wärmeverluste an der Glasfläche deutlich reduzieren können – um bis zu rund 60 Prozent an der Fensterfläche.
Die Erklärung ist unkompliziert: Zwischen Fensterscheibe und Rollladen entsteht ein Luftpolster, das als zusätzliche Dämmschicht wirkt. Die Scheibe fühlt sich weniger kalt an, Zugerscheinungen nehmen ab und die Temperatur im Raum erscheint gleichmäßiger. Einige Haushalte kommen deshalb mit einer um ein halbes bis ein Grad niedrigeren Thermostateinstellung aus.
Bei jährlichen Heizkosten von etwa 1.200 Euro lassen sich durch die konsequente Nutzung der Rollläden – abhängig vom Gebäudezustand – ungefähr 40 bis 80 Euro sparen. In besonders sanierungsbedürftigen Häusern mit Einfachverglasung und wirksamen Rollläden können die Einsparungen sogar noch größer ausfallen.
Warum offene Rollläden im März nicht mehr tabu sind
Viele Ratgeber formulieren es schlicht: „Sobald es dunkel wird, Rollläden schließen.“ Im tiefen Winter ist das meist zutreffend, denn in vielen Regionen liegt die Temperatur draußen schon am späten Nachmittag deutlich unter dem angenehmen Niveau in der Wohnung.
Im März verschiebt sich dieser Zeitpunkt. Die Sonne besitzt bereits deutlich mehr Kraft, die Außenluft kühlt am Abend langsamer ab, und insbesondere Süd- sowie Westfenster liefern bis in die frühe Abendzeit messbare Wärmegewinne. Die alte Gewohnheit um 18 Uhr wirkt deshalb wie ein ungeschriebenes Verbot: Wer sich strikt daran hält, verhindert, dass sich die Wohnung kostenlos weiter erwärmt.
Sinnvoller ist ein flexibler Umgang: Die Rollläden sollten dann geschlossen werden, wenn die Außentemperatur klar unter der gewünschten Raumtemperatur liegt und keine direkte Sonne mehr auf die Fenster scheint – nicht bloß, weil die Uhr 18 Uhr anzeigt.
Typische Szenarien im März
- Anfang März, kalter Norden: Die Sonne steht niedrig, es dämmert früh und die Temperaturen liegen häufig im einstelligen Bereich. In Altbauten mit Nordausrichtung kann es sich lohnen, die Rollläden bereits um 17.30 oder 18 Uhr zu schließen.
- Mitte März, milde Region, Südfassade: Die Sonne erwärmt das Wohnzimmer bis 18.30 oder 19 Uhr. Wer hier schon um 18 Uhr abdunkelt, schaltet die Gratistherme am Fenster ab.
- Ende März nach Umstellung auf Sommerzeit: Es bleibt spürbar länger hell, Abendsonne ist bis nach 19 Uhr möglich. Eine feste Uhrzeit ist dann kaum noch passend.
So bestimmen Sie die passende Uhrzeit für Ihre Rollläden
Die verlässlichste Orientierung lautet: Nicht nach der Uhr, sondern nach Thermometer und Sonnenstand handeln. Stellen Sie sich dabei zwei Fragen:
- Liegt die Außentemperatur deutlich unter dem gewünschten Raumwert, beispielsweise bei 12 Grad draußen und 19 Grad drinnen?
- Fällt noch direktes Sonnenlicht auf das Fenster oder nicht?
Erst wenn die Antwort lautet: „draußen deutlich kälter, keine Sonne mehr“, entfaltet das Schließen seinen Nutzen. Dann sorgt der Luftpolster-Effekt dafür, dass die Raumwärme erhalten bleibt, ohne dass das Thermostat höher eingestellt werden muss.
Für jeden Grad weniger am Thermostat sinkt der Heizenergiebedarf grob um rund 7 bis 8 Prozent. Wer durch kluges Rollladen-Management nur ein halbes Grad einspart, spürt das bereits auf der Rechnung.
Auch die Himmelsrichtung ist entscheidend:
- Nord- und Ostfenster: Im März trifft hier meist nur wenig direkte Sonne ein. Gerade in älteren Gebäuden kann ein relativ fester Zeitraum zwischen 17.30 und 18 Uhr sinnvoll sein.
- Süd- und Westfenster: Diese Seiten gewinnen besonders viel Wärme durch Nachmittags- und Abendsonne. Besser ist es, bis zum vollständigen Sonnenuntergang zu warten – häufig bis etwa 18.30 oder 19 Uhr.
Moderne Technik erleichtert die Rollladen-Steuerung
Wer die Rollläden von Hand bedient, verfällt leicht in alte Routinen. Motorisierte Modelle und smarte Steuerungen schaffen mehr Flexibilität. Viele Systeme können so eingestellt werden, dass sie im tiefen Winter früher schließen und im März schrittweise später – abgestimmt auf Himmelsrichtung und Raumart.
Ein mögliches Schema:
| Monat | Nord-/Ostseite | Süd-/Westseite |
|---|---|---|
| Januar | ca. 17.00 Uhr | ca. 17.30 Uhr |
| Februar | ca. 17.30 Uhr | ca. 18.00 Uhr |
| März | ca. 18.00 Uhr | 18.30–19.00 Uhr (je nach Sonne) |
Solche Zeitfenster ersetzen zwar nicht den Blick nach draußen, bieten aber einen guten Ausgangspunkt – besonders dann, wenn niemand jeden Abend manuell eingreifen möchte.
Was die Rollladen-Uhrzeit mit Ihrem Wohlbefinden zu tun hat
In der Diskussion um Heizkosten gerät leicht in Vergessenheit, dass Tageslicht für Stimmung und Schlafrhythmus eine wichtige Rolle spielt. Im März genießen viele Menschen, dass es abends wieder länger hell ist. Wer die Wohnung stets um 18 Uhr abdunkelt, verzichtet auf dieses kleine Stück Frühling.
Studien zeigen, dass mehr Helligkeit am frühen Abend die innere Uhr stabilisieren kann. Man fühlt sich aktiver, kommt besser durch die Zeit nach Feierabend und der Lagerkoller lässt nach – ein Aspekt, der besonders im Homeoffice zählte. Später geschlossene Rollläden nutzen daher nicht nur die Sonnenwärme, sondern ermöglichen auch mehr natürliches Licht.
Praktische Beispiele für den Alltag
- Wohnzimmer mit großer Glasfront nach Westen: Die Rollläden erst schließen, wenn die Sonne nicht mehr unmittelbar in den Raum scheint und es draußen deutlich kühler ist. Bis dahin darf die Sonne gern mitheizen.
- Schlafzimmer nach Norden: Hier stehen weniger Licht, sondern Ruhe und Wärme im Vordergrund. An kalten Tagen können 18 Uhr passen, insbesondere in älteren Häusern.
- Kinderzimmer: Licht und Schlaf sind hier eng miteinander verbunden. Die Rollläden sollten so eingestellt werden, dass durch Vorhänge noch etwas Abendlicht fällt, der Raum aber nicht auskühlt.
Wann frühes Schließen weiterhin sinnvoll ist
Trotz der Kritik an einer starren 18-Uhr-Regel ist ein frühes Schließen in bestimmten Situationen weiterhin die beste Lösung: zum Beispiel bei Altbauten mit zugigen Fenstern, Erdgeschosswohnungen mit unerwünschten Einblicken oder an sehr windigen Tagen. Wer abends regelmäßig frierend am Fenster sitzt, sollte die Rollläden eher früher als später herunterlassen.
Langfristig lohnt sich außerdem ein Blick auf die Gebäudetechnik: Dichte Fenster, regulierbare Lüftung, gut anliegende Dichtungen und passende Rollläden wirken zusammen. Je besser die Gebäudehülle, desto flexibler lässt sich die Uhrzeit wählen – und desto stärker kann die Märzsonne ihren Vorteil ausspielen.
Entscheidend ist letztlich: kein starres Verbot und keine magische Uhrzeit. Wer Thermometer, Himmel und das eigene Wärmeempfinden berücksichtigt, trifft meist eine bessere Entscheidung als mit jedem festen 18-Uhr-Reflex.
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