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Seevögel stärken Dünen auf den Watteninseln

Feldforscherin untersucht Sanddüne mit Pflanzen und weißen Probekugeln am windigen Küstenstrand.

Auf sandigen Küsteninseln legen Vögel nicht nur Eier und ziehen ihre Jungen groß. Ohne es zu beabsichtigen, verändern sie zugleich die Landschaft, auf der sie leben.

Floris van Rees von der Universität Utrecht hat festgestellt, dass Seevögel, die auf kleinen, unbewohnten Inseln im niederländischen Wattenmeer brüten, durch ihren Kot das Pflanzenwachstum fördern können. Die zusätzliche Vegetation bindet Sand und trägt zum Aufbau von Dünen bei.

Das ist besonders relevant, weil steigende Meeresspiegel und Küstenerosion die Lebensräume vieler Küstenvögel zunehmend bedrohen.

Tragen Vögel dazu bei, Dünen und Pflanzenbewuchs zu erhalten, betrifft ihr Verlust folglich nicht allein die Tierwelt. Auch die Widerstandsfähigkeit dieser Inseln kann darunter leiden.

Der Dünger stammt von weit her

Seevogelguano funktioniert im Grunde als Transportmittel für Nährstoffe. Die Vögel erzeugen diese Nährstoffe nicht auf den Inseln, sondern bringen sie von außerhalb mit: Sie suchen an anderen Orten nach Nahrung und kehren anschließend zum Brüten zurück.

Auf kleinen Inseln, die kaum über andere Nährstoffquellen verfügen, kann dieser Eintrag besonders große Auswirkungen haben.

„An Orten mit viel Brutgeschehen, an denen große Mengen Guano in den Boden gelangen, wächst die Vegetation deutlich schneller als anderswo“, erklärte Van Rees.

Brutkolonien können somit wie natürliche Düngerzentren wirken – und der Unterschied ist sogar aus dem All erkennbar.

Mehr Pflanzen halten mehr Sand fest

Hier kommt die Veränderung der Landschaft ins Spiel: Einige Pflanzenarten sind besonders wirksam darin, vom Wind verfrachteten Sand einzufangen und zu stabilisieren.

Zu den wichtigsten Arten zählen dünenbildende Gräser wie Strandhafer und Strandquecke. Werden sie höher und dichter, fangen sie mehr Sand auf, sodass Dünen schneller anwachsen.

Van Rees stellte fest, dass diese Gräser von den zusätzlichen Nährstoffen im Guano profitieren. Sie wachsen nicht nur insgesamt schneller, sondern werden in Brutgebieten auch früher in der Saison grün. Dadurch beginnen sie eher damit, Sand festzuhalten.

„Pflanzenarten, die Sand besser zurückhalten, profitieren von Vogelkot, was wiederum die Dünenbildung begünstigt“, sagte Van Rees.

Der Effekt beschränkt sich zudem nicht auf Gräser. Auf sandigen Böden reagieren auch einjährige krautige Pflanzen deutlich auf die Düngung durch Guano. Auf Böden mit höherem organischem Anteil scheinen dagegen andere Arten die Brutplätze zu prägen, darunter Strandquecke und Melden der Gattung Atriplex.

Stürme werfen die Inseln zurück

Die Barriereinseln des Wattenmeers liegen niedrig und sind dem Wetter stark ausgesetzt. Kräftige Stürme können Sand abtragen und plötzliche Erosion verursachen. Nach Angaben von Van Rees besitzt das System jedoch eine gewisse Fähigkeit, sich zu erholen.

Nach einem Sturm kommt es mitunter zunächst zu Rückschlägen. Doch im Frühjahr begrünen sich die Brutplätze rasch wieder, was die Erholung der Insel beschleunigt.

Damit könnte die Zahl der Brutpaare nicht nur die Vogelbestände beeinflussen, sondern auch bestimmen, wie schnell sich die Landschaft nach Schäden selbst repariert.

Die Vögel sind auf diesen Inseln also nicht bloß Mitbewohner. Sie gehören zum natürlichen Erholungsmechanismus der Inseln.

Stickstoff beeinflusst das Pflanzenwachstum

Ein zentraler Bestandteil der Studie war die Nachverfolgung der Nährstoffströme. Guano enthält viel Stickstoff, der in unterschiedlichen Isotopenformen vorkommt – einer leichteren und einer schwereren Variante.

Küstenpflanzen weisen häufig höhere Anteile des leichten Stickstoffisotops auf, da sie Stickstoff gewöhnlich aus Luft und Wasser aufnehmen.

Vogelkot enthält hingegen mehr des schweren Isotops. Nehmen Pflanzen den Stickstoff aus Guano auf, hinterlässt dies in ihrem Gewebe diese schwerere Signatur.

„Genau das haben wir in der Vegetation auf den Inseln festgestellt“, sagte van Rees.

Dieser Befund ist bedeutsam, weil er zeigt, dass der Guano nicht lediglich vorhanden ist. Die Pflanzen nehmen ihn auf, und er beeinflusst ihr Wachstum auf messbare, chemische Weise.

Van Rees betonte, dass dieser Nährstoffeintrag auf den Inseln Teil eines natürlichen Ökosystemprozesses ist. Das unterscheidet ihn deutlich von Nährstoffverschmutzung in anderen Naturschutzgebieten, wo eine großflächige Anreicherung die Biodiversität verringern und unerwünschte ökologische Veränderungen auslösen kann.

Forschung auf abgelegenen Inseln

Van Rees wuchs in Groningen auf und begeistert sich seit seiner Kindheit für das Wattenmeer.

Für die Untersuchung, die an der Universität Utrecht und beim Königlich Niederländischen Institut für Meeresforschung (NIOZ) durchgeführt wurde, analysierte er fünf Inseln, die normalerweise für Menschen nicht zugänglich sind: Rottumeroog, Rottumerplaat, Richel, Griend und die Zuiderduintjes.

Van Rees verknüpfte Feldmessungen – darunter Daten zum Pflanzenwachstum und zu Stickstoffisotopen – mit Satellitenbildern und Höhenkarten.

Im Labor setzte er außerdem Computermodelle ein, um Muster genauer zu untersuchen und mögliche Erklärungen zu überprüfen.

Bedeutung über die Niederlande hinaus

Die Watteninseln sind Barriereinseln: lange, schmale Sandkörper, die parallel zur Küste verlaufen. Anders als Vulkaninseln sind sie nicht dauerhaft festgelegt, sondern „formbar“ und werden fortlaufend von Wind, Wellen und Vegetation geprägt.

Zugleich sind sie kein Einzelfall. Vergleichbare Ketten sandiger Barriereinseln finden sich an der Ostküste der USA, in Teilen Australiens sowie in Regionen Südamerikas. Auch dort nutzen große Mengen an Zug- und Brutvögeln diese Gebiete.

Daraus ergibt sich, dass Vögel weltweit eine wichtige, aber häufig übersehene Rolle bei der Gestaltung sandiger Insellandschaften spielen könnten – nicht nur im Wattenmeer.

Damit ist die Studie mehr als eine interessante ökologische Beobachtung. Wenn Seevögel dünenbildende Vegetation düngen und diese Pflanzen wiederum Inseln schützen und wiederaufbauen helfen, ist der Schutz von Vögeln und ihren Brutgebieten zugleich eine Maßnahme zur Stärkung der Küstenresilienz.

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