Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass die als Reinigungsmittel eingesetzte Chemikalie Trichlorethylen (TCE) mit einem erhöhten Risiko für die Parkinson-Krankheit verbunden ist. Eine neue Untersuchung legt jedoch nahe, dass die potenzielle Gefahr weiter reichen könnte als bisher angenommen.
Schon das Wohnen in der Nähe einer chemischen Reinigung könnte demnach das Risiko erhöhen, an der Erkrankung zu leiden.
Parkinson-Risiko nahe chemischen Reinigungen
In einer landesweiten Analyse, die in npj Parkinson's Disease veröffentlicht wurde, stellten Forschende fest: Menschen, die höchstens 150 Meter von einer chemischen Reinigung entfernt lebten, hatten schätzungsweise ein um bis zu 23 Prozent höheres Risiko, an Parkinson zu erkranken. Als Vergleich dienten Personen in einer Entfernung von 6,4–8 Kilometern.
„Diese Studie ergänzt die wachsende Evidenz dafür, dass Umweltbelastungen bei der Parkinson-Krankheit eine bedeutende Rolle spielen könnten“, sagt der Neurologe und leitende Studienautor Brad Racette vom Barrow Neurological Institute in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona.
„Diese Belastungen zu identifizieren, ist ein wichtiger Schritt, um zu verstehen, wie wir die Krankheitslast künftig möglicherweise verringern können.“
Die Ergebnisse fügen sich in eine zunehmende Zahl von Studien ein, die zeigen, dass der Wohnort die Umweltbelastungen – und damit möglicherweise Gesundheit und Krankheitsrisiko – beeinflussen kann.

Bei Menschen, die in einem Umkreis von 150 Metern um eine chemische Reinigung lebten, war das Risiko für Parkinson um bis zu 23 Prozent erhöht. (Romi Georgiadis/iStock/Getty Images Plus)
Frühere Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass der Wohnort mit dem Demenzrisiko zusammenhängt. Er könnte zudem beeinflussen, wie schnell Menschen altern und wie gesund sie sich ernähren.
Zu den bekannten Umwelt-Risikofaktoren für Parkinson zählen unter anderem Luftverschmutzung, die Belastung durch Mikroplastik und Pestizide.
Solche Risikofaktoren bedeuten, dass Orte, die auf den ersten Blick nicht gefährlich erscheinen, wegen der chemischen Bedingungen ihrer Umgebung gesundheitliche Risiken bergen können, die nicht immer erkannt werden.
So ergab eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie, dass das Wohnen nahe eines Golfplatzes mit einem höheren Parkinson-Risiko verbunden war. Als wahrscheinliche Ursache gilt der Einsatz von Pestiziden auf Fairways und Grüns.

Auch das Leben in der Nähe eines Golfplatzes könnte das Risiko für die Parkinson-Krankheit erhöhen. (Somchai Sookkasem/Getty Images)
Auswertung von Medicare-Daten und Risikounterschiede
Ein Teil der Forschenden, die zu diesem Befund über Golfplätze beigetragen hatten, untersuchte nun chemische Reinigungen. Dafür werteten sie US-amerikanische Medicare-Daten von mehr als 19 Millionen Menschen im Alter von mindestens 67 Jahren aus den Jahren 2016 bis 2018 aus. Darunter befanden sich etwa 180.000 Personen mit einer Parkinson-Diagnose.
Nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Einkommen und weiteren möglichen Störfaktoren errechnete das Team für Menschen in höchstens etwa 150 Metern Entfernung zu einer chemischen Reinigung ein insgesamt um 14 Prozent höheres geschätztes Parkinson-Risiko als für Personen, die 6,4–8 Kilometer entfernt wohnten.
Bei Parkinson-Fällen, die durch Probleme beim Gehen und bei der Mobilität gekennzeichnet waren, stieg das geschätzte Risiko auf 23 Prozent. Bei Parkinson in Verbindung mit Demenz betrug der Anstieg 25 Prozent, wobei diese Untergruppe insgesamt einen schwächeren Zusammenhang mit der Entfernung zeigte.
Die Ergebnisse belegen lediglich einen Zusammenhang. Sie beweisen nicht, dass chemische Reinigungen oder Chemikalien der Textilreinigung wie TCE Parkinson verursachen. Dennoch geben die Befunde Anlass zur Sorge.
„Unsere Karte der Zusammenhänge auf Bezirksebene zeigte in weiten Teilen der USA ein weitgehend einheitliches Muster: Die Wohnnähe zu chemischen Reinigungen stand mit dem Risiko für die Parkinson-Krankheit in Verbindung“, schreiben die Forschenden in ihrer Arbeit.
„Diese räumlichen Muster legen nahe, dass manche Regionen für Umweltkontaminationen durch chemische Reinigungen besonders anfällig sein könnten. Möglicherweise spiegeln sie Unterschiede beim Risiko des Eindringens von Dämpfen wider, die mit alternder Infrastruktur, Geologie oder Bevölkerungsdichte zusammenhängen.“
Weiterführend: Chemikalie aus der Textilreinigung könnte eine wichtige Ursache von Parkinson sein, warnen Forschende
Einschränkungen der Untersuchung
Die Forschenden weisen auf mehrere Begrenzungen ihrer Studie hin. So erfasst ihre Messmethode für chemische Reinigungen, die auf Standortdaten von mehr als 30.000 Betrieben aus dem Jahr 2013 beruht, relevante Faktoren nicht präzise – etwa die Mengen von TCE oder anderen Chemikalien, Gebäudemerkmale oder Muster der Geschäftstätigkeit.
Angesichts dessen, was bereits über das Ausmaß des Problems bekannt ist, sehen die Forschenden darin dennoch einen weiteren Hinweis auf ein sehr ernstes Problem.
„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass in der Textilreinigung verwendete Chemikalien benachbarte Wohnviertel kontaminieren und zum Risiko für die Parkinson-Krankheit beitragen könnten“, schreiben die Forschenden.
„Unsere Studie liefert Belege, die gezielte Krankheitsüberwachung und weitere Umweltuntersuchungen für mögliche Sanierungsmaßnahmen erforderlich erscheinen lassen.“
Die Ergebnisse wurden in npj Parkinson's Disease veröffentlicht.
Dieser Artikel wurde von Rebecca Dyer auf Fakten geprüft und von Rebecca Dyer redigiert. Wir sind zwar stolz auf unseren Prüfprozess, aber auch wir sind nur Menschen. Wenn Sie einen Fehler entdecken, teilen Sie ihn uns bitte mit.

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