Wer Beete, Einfahrten oder Flächen unter Bäumen unkompliziert pflegen möchte, steht seit dem Verbot zahlreicher chemischer Mittel vor einer Herausforderung. Sobald Boden unbedeckt bleibt, siedeln sich hartnäckige Wildkräuter an. Deshalb setzen Gartenprofis immer häufiger auf eine lebende Bodenbedeckung, die Unkraut von vornherein kaum Raum zum Wachsen gibt.
Warum eine Bodendecker-Pflanze Ihr Unkrautproblem löst
Im professionellen Gartenbau besteht weitgehend Einigkeit: Gut eingewachsene Bodendecker können den Aufwuchs von Wildkräutern deutlich verringern – oft um mehr als die Hälfte, teils sogar nahezu vollständig. Das Prinzip ist denkbar einfach.
Ein dichter Teppich aus Blättern nimmt dem Unkraut Licht, Platz und Energie – die Natur erledigt die Arbeit, für die früher Gift zuständig war.
Anstelle von Rindenmulch oder Folie kommt dabei eine „lebende Mulchschicht“ zum Einsatz. Sie beschattet die Erde, bewahrt Feuchtigkeit im Boden und macht es Unkrautsamen schwer, überhaupt zu keimen. Besonders eine Staude hat sich hierbei als zuverlässiges Arbeitspferd erwiesen: der Bergenien-Bodendecker.
Bergenie: die robuste Staude gegen wucherndes Unkraut
Die Bergenie, botanisch beispielsweise Bergenia purpurascens oder eine verwandte Sorte, ist eine immergrüne und ausgesprochen widerstandsfähige Staude. Ihre Herkunft liegt in Gebirgsregionen, weshalb sie Kälte verträgt, an der viele Zierpflanzen scheitern würden: Temperaturen von etwa minus 20 bis 30 Grad bereiten ihr meist keine Schwierigkeiten.
Im Laufe der Zeit entwickelt jede Pflanze breite Horste. Sie wird ungefähr 30 bis 50 Zentimeter hoch und erreicht eine Breite von 40 bis 70 Zentimetern. Ihre großen, fleischigen Blätter schließen dicht aneinander und formen einen geschlossenen Teppich. Das Laub ist überwiegend glänzend grün und nimmt bei Kälte häufig einen dekorativen rötlichen Ton an.
Im Frühjahr wachsen kräftige Stiele mit auffälligen Blüten in Rosa- oder Purpurnuancen heran. Damit ist die Pflanze nicht nur nützlich, sondern auch optisch reizvoll: Im Beet verbindet sie Schutz vor Unkraut mit schmückender Wirkung.
Die dicken Blätter der Bergenie funktionieren wie eine lebende Abdeckung: Sie lassen kaum Licht an den Boden und nehmen Wildkräutern die Chance, sich auszubreiten.
Wo sich Bergenien besonders lohnen
Für problematische Gartenbereiche gelten Bergenien als vielseitige Lösung. Sie bewältigen unterschiedliche Lichtverhältnisse und benötigen lediglich einen einigermaßen durchlässigen Boden.
- an den Rändern von Wegen und Einfahrten
- unter laubabwerfenden Bäumen
- an schwer erreichbaren Hängen
- am Übergang zwischen Garten und lichtem Gehölzbereich
- in Steingärten sowie Felsbereichen
Sonnige Plätze vertragen die Pflanzen, sofern die Sonne nicht unerbittlich brennt; ebenso fühlen sie sich im Halbschatten wohl. Sogar leicht trockene und schattige Standorte lassen sich mit Bergenien oft besser begrünen als mit vielen anderen Stauden. Lediglich in extrem nassen oder dauerhaft sehr dunklen Bereichen stoßen sie an Grenzen. Dort eignet sich eher eine Kombination mit weiteren Schattenkünstlern, etwa robusten Storchschnabel-Arten oder Immergrün.
Der richtige Zeitpunkt zum Pflanzen
In Mitteleuropa bieten sich insbesondere Frühjahr und Herbst für das Setzen von Bergenien an. Ideal ist die Zeit, wenn sich der Boden nach dem Winter bereits etwas erwärmt hat, jedoch noch genügend Feuchtigkeit enthält. Eine Pflanzung im zeitigen Frühjahr ermöglicht der Staude, bis zum Hochsommer gut einzuwurzeln.
So entsteht vergleichsweise rasch ein erster grüner Teppich. Bereits im ersten Jahr lässt sich der Pflegeaufwand im Beet merklich reduzieren. Anschließend weiten sich die Horste schrittweise aus und schließen jene Lücken, in denen Wildkräuter zuvor Fuß gefasst hatten.
So legen Sie einen dauerhaften Bergenien-Teppich an
Damit die Bergenie tatsächlich als Unkrautbremse wirkt, braucht sie einen gründlich vorbereiteten Startplatz. Wer Setzlinge lediglich in einen verwilderten Bereich pflanzt, wird daran meist nicht lange Freude haben.
Vorbereitung des Bodens
- Vorhandenes Unkraut vollständig und sorgfältig mitsamt den Wurzeln entfernen.
- Den Boden mit Spaten oder Grabegabel etwa 20 Zentimeter tief auflockern.
- Bei schweren, tonigen Böden etwas Sand oder feinen Splitt einarbeiten.
- Nährstoffarme Erde mit Kompost oder gut verrottetem Pflanzmaterial verbessern.
Der Boden sollte locker sein, aber nicht übermäßig viele Nährstoffe enthalten. Ein Zuviel an Dünger fördert zwar kräftiges Blattwachstum, erhöht jedoch die Krankheitsanfälligkeit der Pflanze. Eine maßvolle Bodenvorbereitung unterstützt dagegen stabiles und gesundes Wachstum.
Pflanzabstand und Technik
Für die einzelnen Pflanzen ist ein Abstand von rund 40 Zentimetern empfehlenswert. Dadurch können sich die Horste nach und nach verbinden, ohne einander zu bedrängen.
- Ein Pflanzloch ausheben, das etwas breiter als der Wurzelballen ist.
- Die Pflanze so einsetzen, dass ihr Wurzelansatz auf Bodenniveau sitzt.
- Erde fest andrücken, damit keine Hohlräume zurückbleiben.
- Kräftig angießen, damit die Wurzeln guten Kontakt zur Erde bekommen.
Wer die Zwischenräume um die jungen Pflanzen in den ersten Monaten mit einer dünnen organischen Schicht bedeckt, etwa mit Laub oder feinem Rindenmaterial, unterstützt die Fläche zusätzlich. Diese vorübergehende Abdeckung verschwindet allmählich, während sich die Blätter der Bergenien zu einer geschlossenen Decke verbinden.
Pflege im ersten und in den folgenden Jahren
Während des Pflanzjahres darf der Boden nicht austrocknen. Bergenien bevorzugen frische, leicht feuchte Erde, vertragen jedoch keine Staunässe. Mit bedachtem Gießen lässt sich das Einwurzeln der Staude erheblich erleichtern.
Ab dem zweiten oder dritten Jahr arbeitet die Pflanze fast alleine: Hier und da ein Guss Wasser, ein paar alte Blätter entfernen – mehr verlangt sie selten.
Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick:
- Während trockener Phasen gelegentlich gießen, insbesondere im ersten Sommer.
- Nach der Blüte verwelkte Blütenstiele abschneiden, damit die Pflanze kompakt bleibt.
- Beschädigte oder stark vergilbte Blätter von Zeit zu Zeit entfernen.
- Die Horste alle drei bis fünf Jahre teilen, um den Bestand zu verjüngen.
Durch das Teilen erhalten Sie zugleich neues Pflanzmaterial. Die abgetrennten Bereiche können kahle Stellen füllen oder an Gartenfreunde weitergegeben werden. Auf diese Weise wird aus einem kleinen Anfangsbestand mit der Zeit eine geschlossene, lebendige Fläche.
Wie stark reduziert die Bergenie wirklich das Jäten?
Vollständig frei von Unkraut bleibt kaum ein Garten. Eine dichte Bergenien-Decke verringert die anfallende Arbeit jedoch erheblich. Einerseits gelangen viele Samen gar nicht erst auf den Boden, andererseits gelingt es den meisten Keimlingen nicht, die kräftige Blattschicht zu durchdringen.
Einzelne besonders hartnäckige Arten können zwar weiterhin vereinzelt auftauchen, lassen sich dann aber mit wenigen Handgriffen beseitigen. Statt regelmäßiger und mühsamer Einsätze mit Harke und Messer reichen gelegentliche Kontrollgänge aus.
Risiken, Grenzen und sinnvolle Kombinationen
Wie jede Pflanze besitzt auch die Bergenie ihre Schwächen. Auf sehr nassen Böden mit Staunässe kann es zu Problemen an den Wurzeln kommen. Dort sollte zunächst eine bessere Entwässerung geschaffen werden, oder es kommen andere Bodendecker infrage, beispielsweise bestimmte Seggen oder robuste Farne.
Bei extremem Vollschatten wächst die Pflanze häufig nur zurückhaltend. Unter solchen Bedingungen ist eine Mischung mehrerer Arten oft erfolgreicher. Gut geeignet sind zum Beispiel:
- robuste Storchschnabel-Sorten für halbschattige Bereiche
- Immergrün für schwierige Schattenlagen
- niedrige Gräser, die dem Pflanzteppich Struktur verleihen
Eine geschickt zusammengestellte Kombination verschiedener Bodendecker ergibt eine abgestufte Fläche, die das ganze Jahr über attraktiv bleibt. Frühblüher wie Krokusse oder kleine Narzissen können zwischen Bergenien wachsen und bringen gegen Ende des Winters Farbe ins Beet, noch bevor der Blattschopf der Staude wieder kräftig austreibt.
Für Familien mit Kindern oder Haustieren bringen lebende Pflanzenteppiche einen weiteren Vorteil: Der Garten benötigt keine aggressive Chemie, während der Wildwuchs dennoch überschaubar bleibt. Die Bodenstruktur wird besser, Würmer und andere Bodenlebewesen profitieren, und letztlich entsteht ein grüner, pflegeleichter Gartenbereich, der sich beinahe selbst erhält.
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