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ENGWE N1 Air im Test: Das leichte Carbon-E-Bike für Pendler

Person lädt E-Bike am Smartphone auf, sitzt auf schwarzem Fahrrad auf urbanem Radweg bei Sonnenschein.

Mit dem N1 Air schlägt ENGWE einen neuen Weg ein: Statt eines verspielten E-Bikes mit dicken Reifen steht nun ein leichter, unauffälliger und deutlich eleganterer Pendler im Mittelpunkt. Das Konzept ist ebenso schlicht wie ambitioniert: Carbon erschwinglich machen, ohne bei den wesentlichen Eigenschaften für den Alltag Abstriche zu machen. Nach drei Monaten täglichem Pendeln zeigt unser Test, was der N1 Air auf der Straße tatsächlich leistet.

Lange Zeit stand ENGWE für unterhaltsame E-Bikes, meist reichhaltig ausgestattet und gelegentlich etwas rustikal, aber mit dem gewissen Etwas, das sie im Alltag sympathisch machte. Mit dem N1 Air richtet sich die chinesische Marke an eine andere Zielgruppe: Pendler und Stadtfahrer, die ein leichtes, modernes Fahrrad suchen und keine Reifen im Traktorformat brauchen.

Der N1 Air will weder Lastenrad noch verkleidetes Mountainbike sein. Er versteht sich als echter Commuter: leicht genug für Treppen, agil genug für enge Wege und unkompliziert genug für den täglichen Einsatz, ohne dass die Wartung zum Ritual wird. Dafür bringt er einige gewichtige Argumente mit: einen Carbonrahmen, ein hochwertiges Erscheinungsbild, einen herausnehmbaren Akku, einen angekündigten Drehmomentsensor sowie integrierte Sicherheitsfunktionen.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Kein Wunder: Den größeren Bruder N1 Pro hatten wir bereits bei seiner Einführung im vergangenen Februar getestet. Als ENGWE uns den N1 Air zum Test anbot, haben wir die Gelegenheit sofort genutzt. Ist er ab 1.449 € sein Geld wirklich wert? Unser Test liefert die Antwort Punkt für Punkt.

Unkompliziertes Auspacken und Montieren

Der N1 Air wird in einem vergleichsweise kompakten Karton geliefert und ist für den Transport gut geschützt. ENGWE hat die Sache sauber umgesetzt: Die Anleitung ist verständlich – bei unserem Modell auf Englisch, eine deutsche Version lässt sich jedoch über einen QR-Code herunterladen. Sämtliche benötigten Werkzeuge liegen in einer kleinen Tasche bei.

Je nach handwerklicher Erfahrung ist der Aufbau in 30 bis 45 Minuten erledigt. Vorderrad und Lenker müssen montiert, die Pedale angeschraubt und der Sattel eingestellt werden. Das ist keine große Herausforderung, zu zweit geht es allerdings angenehmer und schneller. Ein Montagevideo auf dem YouTube-Kanal von ENGWE macht die gedruckte Anleitung beinahe überflüssig.

Der Frontscheinwerfer wird direkt über die Bedieneinheit gesteuert. Standardmäßig schaltet er sich automatisch ein, sobald die Umgebung dunkler wird. Das Rücklicht arbeitet dagegen unabhängig: Es besitzt einen eigenen Akku, der über ein kleines Solarpanel geladen wird, und aktiviert sich bei Dunkelheit selbstständig. Das Fahrrad sollte daher gelegentlich bei Tageslicht abgestellt werden, damit es keine unangenehmen Überraschungen gibt.

Nennen Sie mich nie wieder MapFour!

Bei ihrer Markteinführung wurden N1 Air und N1 Pro unter der Marke ENGWE MapFour verkauft. Diese sollte die Premiumräder von ENGWE bündeln und das ohnehin umfangreiche Sortiment des Herstellers übersichtlicher gestalten.

Am 25. November vergangenen Jahres entschied ENGWE, diese Trennung weiter auszubauen und MapFour zu einem eigenständigen, von ENGWE getrennten Unternehmen zu machen. Forschung und Entwicklung, Produktion, Vertrieb sowie Marketing sind nun vom Mutterhaus unabhängig. Die vollständig von ENGWE entwickelten Modelle N1 Air und N1 Pro bleiben allerdings im Sortiment, verlieren jedoch die Bezeichnung MapFour.

Das neue MapFour möchte sich ausschließlich im Premiumsegment positionieren und soll bereits ab 2026 neue Produkte vorstellen.

Carbon am ENGWE N1 Air macht den Unterschied

Mit 15,6 kg einschließlich Akku liegt der N1 Air weit, sehr weit unter den 25 bis 30 kg oder mehr klassischer E-Bikes. Das ist keine Marketingbehauptung: Wer ihn eine Treppe hinaufträgt, bemerkt den Unterschied sofort. Für Menschen in Wohnungen oder alle, die ihr Fahrrad regelmäßig anheben müssen, ist das ein echtes Argument – im wahrsten Sinne des Wortes.

Verantwortlich für das geringe Gewicht ist der Rahmen aus T700-Carbonfaser. Der Rahmen allein bringt lediglich 1,28 kg auf die Waage, also ungefähr so viel wie ein Notebook. Laut ENGWE bietet dieses Carbon eine elfmal höhere Steifigkeit als ein vergleichbarer Aluminiumrahmen. In der Praxis zeigt sich das durch eine sehr gute Kraftübertragung beim Pedalieren und eine bessere Dämpfung von Fahrbahnvibrationen.

Das Design des N1 Air hebt sich klar von herkömmlichen Modellen ab. Die massiven Reifen und die kraftvolle Fatbike-Optik sind passé; stattdessen gibt es einen zurückhaltenden, klaren und fast minimalistischen Auftritt. Der einteilige Rahmen ohne sichtbare Schweißnähte vermittelt Hochwertigkeit und Eleganz. Fließende Linien und das leicht zulaufende Oberrohr sorgen für eine dezente sportliche Note.

Der Akku steckt unauffällig im Unterrohr, sodass man den N1 Air beinahe für ein Fahrrad ohne Motor halten könnte. Nur das LCD-Display am Lenker und der Motor in der Hinterradnabe verraten seinen elektrischen Charakter. Das ist clever gelöst, weil es weniger Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Bei der Verarbeitung gefällt uns besonders die im Rahmen verlegte Kabelführung, die den gepflegten Gesamteindruck unterstützt. Schweißnähte gibt es nicht – bei Carbon wenig überraschend –, und insgesamt wirkt das Rad hochwertig. Unser Testmodell trägt einen schönen Farbton in „Tinten-Grün“, den wir als dezent und elegant empfinden. Zur Auswahl stehen zwei Varianten: das klassische Step-over-Modell mit hohem Oberrohr, das wir getestet haben, sowie das leichter zugängliche Step-through-Modell (ST) mit tiefem Einstieg.

Dezenter, aber wirkungsvoller Motor

Der N1 Air nutzt einen Heckmotor mit 250 W und 40 Nm Drehmoment. Gegenüber vielen Konkurrenzmodellen mit häufig 60 oder 80 Nm wirken diese Werte zunächst zurückhaltend. Bei einem so leichten Fahrrad reichen die 40 Nm für die meisten Situationen in der Stadt jedoch vollkommen aus.

Die Unterstützung wird von einem gut arbeitenden Drehmomentsensor geregelt, der trotz Heckmotor ein natürliches und gleichmäßiges Fahrgefühl vermittelt. Zur Wahl stehen fünf Unterstützungsstufen, von Eco bis Turbo. Im Stadtverkehr genügen Stufe 2 oder 3 völlig, um ohne große Anstrengung 25 km/h zu fahren. Stufe 5 macht Anstiege zur Formsache, sofern sie nicht steiler als 10–12 % sind.

Bei stärkerer Steigung stößt der Motor an seine Grenzen, sodass eigene Muskelkraft gefragt ist. Solche Steigungen sind in der Stadt zum Glück eher selten. Während der Fahrt bleibt der Antrieb bemerkenswert leise; allenfalls ein leichtes elektrisches Surren ist hörbar, sofern es nicht von den Stadtgeräuschen übertönt wird.

Reichweite: zwischen Versprechen und Praxis

ENGWE gibt für den Samsung-Akku mit 36 V, 10 Ah und 360 Wh eine Reichweite von 100 km an. Auf ebener Strecke und mit einem leichten Fahrer ist das theoretisch erreichbar. Im realen Alltag – mit mehr als 80 kg Körpergewicht und Unterstützung auf Stufe 3 oder höher – sieht die Rechnung etwas anders aus.

Bei unseren Tests mit einem vollständig ausgerüsteten Fahrer von knapp 100 kg lag die Reichweite je nach Nutzung zwischen 60 und 75 km. Auf überwiegend flachen oder leicht hügeligen Strecken und meist in Stufe 2 oder 3 nähert man sich 70 km. Werden die Unterstützungsmodi 4 und 5 häufig genutzt, sinkt die Reichweite auf rund 60 km. Damit bietet der N1 Air mehr als genug Ausdauer für drei oder vier Tage Pendelverkehr.

Der Akku kann direkt am Fahrrad geladen oder zum Laden in die Wohnung mitgenommen werden. Mit dem Verriegelungsschlüssel lässt er sich unkompliziert herausnehmen. Er wiegt etwa 2,3 kg, was für den Transport in die Wohnung noch angemessen ist. Eine vollständige Ladung benötigt zwischen 5 und 8 Stunden. Das ist lang, und ein schnelleres Ladegerät wäre wünschenswert gewesen. Wer das Fahrrad nach Feierabend anschließt, findet es am nächsten Morgen jedoch wieder einsatzbereit vor. Für den täglichen Gebrauch ist das durchaus praktikabel.

Bremsen und Schaltung: bewährte Technik, die ihren Zweck erfüllt

Vorn und hinten ist der N1 Air mit mechanischen 160-mm-Scheibenbremsen ausgestattet. Im Alltag erfüllen sie ihren Zweck und bremsen gut dosierbar, liegen aber deutlich hinter hydraulischen Bremsen zurück – vor allem wenn schnell und kräftig verzögert werden muss. Mechanische Bremsen brauchen regelmäßige Einstellungen und können bei Regen an Wirkung verlieren. Das ist der Kompromiss, den man für den günstigen Preis des Fahrrads akzeptieren muss. Nach einigen Tagen Einfahrzeit packen die Bremsen spürbarer zu.

Notbremsungen verlangen dennoch etwas mehr Voraussicht als mit hydraulischen Bremsen. Für entspanntes Pendeln ist das kein Problem. Wer schnell fährt, Gepäck transportiert oder in einem hektischen Stadtverkehr unterwegs ist, für den ergibt die hydraulische Version Sinn. Sie kostet 100 € mehr, also 1.549 €.

Die Schaltung basiert auf einem Shimano-Schaltwerk mit 7 Gängen. Es handelt sich um einen bewährten, zuverlässigen Klassiker. Die Gangwechsel funktionieren ordentlich, auch wenn unter Last gelegentlich ein Knacken auftritt. Das ist nicht besorgniserregend, könnte aber geschmeidiger sein. Die sieben Gänge reichen aus, um unterschiedliche Situationen in der Stadt abzudecken und die elektrische Unterstützung sinnvoll zu ergänzen. Die Reifen im Format 700×38C bilden einen gelungenen Kompromiss zwischen Komfort und Leistung. Sie sind breit genug, um Unebenheiten zu schlucken, aber nicht so breit, dass sie das Tempo beeinträchtigen. Ihr Profil passt zum Stadtbetrieb und bietet auf trockenem wie nassem Asphalt guten Halt.

Spürbarer Komfort im Stadtverkehr

Im Alltag erweist sich der N1 Air als hervorragender Begleiter für Wege durch die Stadt. Sein niedriges Gewicht macht ihn reaktionsfreudig und im Verkehr leicht beherrschbar. Zwischen Autos lässt er sich mühelos hindurchmanövrieren, enge Kurven bewältigt er dank seines sehr kleinen Wendekreises souverän. Der verstellbare Lenker gefällt uns, weil er eine eher aufrechte Sitzposition ermöglicht, die wir für tägliche Fahrten bevorzugen.

Der Carbonrahmen erfüllt seine Aufgabe als Vibrationsdämpfer. Auf Kopfsteinpflaster und den typischen Unebenheiten der Stadt ist der Unterschied zu einem Aluminiumrahmen klar spürbar. Das Fahrgefühl ist weicher und weniger hart. Natürlich erreicht er nicht den Komfort eines Fahrrads mit Federung, doch solange man auf Asphalt oder Kopfsteinpflaster bleibt, wird das unangenehme Durchschütteln weitgehend vermieden.

Auf schlechten Wegen oder schlecht gepflegten Straßen ändert sich das Bild. Dann muss man sich an deutlich stärkere Stöße gewöhnen, die durch den Sattel noch unangenehmer werden. Deshalb verlangte unser Hinterteil schon bald nach einem Silikonkissen, um das Fahren angenehmer zu machen.

Das LCD-Display auf der linken Lenkerseite zeigt alle wichtigen Daten: Geschwindigkeit, Akkustand, Unterstützungsmodus und Kilometerstand. Selbst bei direkter Sonne bleibt es ablesbar. Die Bedieneinheit mit drei Tasten lässt sich auch mit Handschuhen unkompliziert nutzen. ENGWE hat zudem an praktische Details gedacht und Gewindeaufnahmen für Flaschenhalter sowie hinteren Gepäckträger vorgesehen. Schade nur, dass Letzterer nicht zur Serienausstattung gehört.

Willkommene vernetzte Funktionen

Der N1 Air besitzt einen Bluetooth-Chip und eine 4G-Verbindung, die ein Jahr lang kostenlos ist und danach 40 € pro Jahr kostet, um mit der Begleit-App für iOS und Android zu kommunizieren. Zu den angebotenen Funktionen gehört die GPS-Echtzeitortung, die einen echten „Pluspunkt“ darstellt. Bei einem Diebstahl lässt sich das Fahrrad verfolgen. Mit dem Geofencing-System können erlaubte Bereiche definiert werden: Verlässt das Fahrrad eine dieser Zonen, löst es am Fahrrad selbst einen Alarm aus – blinkendes Licht und Klingelton – und das Smartphone erhält eine Benachrichtigung. Das Fahrrad kann außerdem aus der Ferne klingeln, was besonders in überfüllten Parkhäusern hilfreich ist.

Über das elektronische Schließsystem lässt sich das Fahrrad per App sichern. Nach dem Verriegeln kann die elektrische Unterstützung nicht mehr aktiviert werden. Zusätzlich lässt sich ein Bewegungsalarm einschalten: Wird versucht, das verriegelte Fahrrad zu bewegen, ertönt ein Signal.

Die App bietet auch eine GPS-Navigation. Sobald das Ziel festgelegt wurde, erscheinen Richtungspfeile auf dem Display des N1 Air, um die Navigation zu erleichtern. Die Funktion ist praktisch und zuverlässig, auch wenn die vorgeschlagene Strecke nicht immer die schnellste ist.

ENGWE N1 Air: Das Urteil von Presse-Citron

Mit dem N1 Air hat ENGWE ein attraktives Fahrrad im Angebot. Sein Fliegengewicht, das sorgfältige Design und die für diese Preisklasse ungewöhnlich präzise Verarbeitung gefallen uns. In der Stadt fährt es sich wendig, leise und auf Asphalt komfortabel. Die insgesamt gleichmäßige Unterstützung bietet beim Fahrgefühl einen echten Mehrwert. Die Diebstahlschutz- und Ortungsfunktionen schaffen zusätzliches Vertrauen und rechtfertigen einen Teil des Preises.

Ganz ohne Schwächen ist es jedoch nicht. Der Carbonrahmen filtert einen Teil der Unebenheiten städtischer Straßen, auf holprigeren Wegen macht sich das fehlende Fahrwerk aber bemerkbar. Die Motorunterstützung ist zufriedenstellend, solange die zu bewältigende Steigung 10 bis 12 % nicht überschreitet. Darüber sind kräftige Beine gefragt. Die Reichweite ist ebenfalls ordentlich, allerdings sollte man nicht vergessen, den Akku vor dem Schlafengehen anzuschließen, da der Vorgang bis zu 8 Stunden dauern kann. Ein Schnellladegerät wäre willkommen gewesen.

Die mechanischen Bremsen erfordern zudem etwas mehr Aufmerksamkeit, insbesondere bei Notbremsungen. Im Stadtverkehr und auf gewöhnlichen Strecken bleiben sie absolut zuverlässig, hydraulische Bremsen wären jedoch die bessere Lösung. Unser Testmodell war nicht damit ausgestattet, ENGWE bietet sie beim Kauf aber als Variante an.

Zum Preis von 1.449 € erhältlich – mit hydraulischen Bremsen 1.549 € – ist der N1 Air ein ausgezeichneter Einstieg in die Welt urbaner Carbon-E-Bikes. Voraussetzung ist allerdings, dass man die Kompromisse eines Fahrrads akzeptiert, bei dem geringes Gewicht Priorität hat, und von ihm weder den Komfort eines Trekkingrads noch die Kletterfähigkeiten eines geborenen Bergfahrers erwartet.

ENGWE N1 Air

Preis: 1449 €

Gesamtwertung: 9.2

Kategorie Wertung
Design & Ergonomie 9.5/10
Nutzungskomfort 9.0/10
Reichweite 8.5/10
Vernetzte Funktionen 9.0/10
Preis-Leistungs-Verhältnis 10.0/10

Das gefällt uns

  • Komfortables Fahrverhalten
  • Geringes Gewicht des Fahrrads
  • Gelungenes Design
  • Sehr ordentliche Reichweite
  • Einfache Montage

Das gefällt uns weniger

  • Etwas harter Sattel
  • 4G-Verbindung nach einem Jahr kostenpflichtig
  • Gepäckträger optional
  • Hydraulische Bremsen optional

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