Aktuelle Laboranalysen zeigen, dass sich in Mikrowellenherden deutlich mehr Mikroben ansiedeln, als die meisten Menschen erwarten. Im Alltag wird das Küchengerät häufig nach dem Motto „mitgegart = keimfrei“ betrachtet. Dieses Gefühl trügerischer Sicherheit wird durch die Ergebnisse jedoch infrage gestellt: Weder Hitze noch Strahlung beseitigen sämtliche unerwünschten Bewohner zuverlässig.
Mehr als 700 Bakterienarten überstehen Hitze und Strahlung
Die wichtigste Erkenntnis der Studie klingt wie ein Fall aus der Küchenhygiene: An und in Mikrowellenherden wurden über 700 unterschiedliche Bakterienarten entdeckt, die mit den dortigen Bedingungen erstaunlich gut zurechtkommen. Dazu zählen widerstandsfähige Vertreter der Gattungen Bacillus und Clostridium, die für ihre hohe Robustheit bekannt sind.
Das hängt mit ihrer besonderen Überlebensform zusammen. Zahlreiche dieser Keime können sogenannte Sporen bilden. Diese Schutzkapseln ermöglichen es ihnen, Trockenperioden, hohe Temperaturen und sogar Strahlung über lange Zeit zu überdauern. Trocknen Lebensmittelreste an den Innenwänden ein, verharren die Sporen einfach in einer Art Wartezustand.
Der Mikrowellenherd erhitzt Ihr Essen – aber nicht jeder Winkel wird gleichmäßig heiß und längst nicht jede Bakterie gibt so schnell auf.
Besonders häufig finden sich Keime dort, wo sich Speisespritzer ablagern: an der Decke des Garraums, auf der Drehscheibe, in den Zwischenräumen am Drehteller, am Türrahmen sowie am Dichtgummi. Diese trockenen und leicht feuchten Nischen bilden einen kleinen Lebensraum, der für robuste Mikroorganismen besonders geeignet ist.
Welche Gesundheitsgefahren durch Keime im Mikrowellenherd bestehen
Nicht jedes Bakterium in der Küche stellt ein Gesundheitsrisiko dar. Viele Arten sind ungefährlich, manche gehören sogar natürlicherweise zu unserer Umwelt oder Hautflora. Die Studie nennt jedoch auch Keime, die Durchfall, Übelkeit und weitere Magen-Darm-Beschwerden verursachen können. Dazu gehören beispielsweise Salmonellen oder staphylokokkenähnliche Bakterien.
Das Risiko nimmt vor allem zu, wenn mehrere Umstände zusammenkommen:
- ein stark verschmutzter Innenraum mit älteren Lebensmittelresten
- Speisen, die nicht ausreichend erhitzt werden, etwa durch zu kurze Laufzeit oder zu geringe Leistung
- gemeinschaftlich genutzte Geräte in Büros, Teeküchen, Schulen oder WGs
- Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Kleinkinder oder ältere Personen
Wer das Mittagessen im Betrieb rasch erwärmt, nutzt die Mikrowelle gemeinsam mit vielen anderen Personen – einschließlich ihrer unterschiedlichen Reinigungsgewohnheiten. Fachleute finden an solchen Geräten regelmäßig besonders viele problematische Keime, weil sich häufig niemand für die Pflege verantwortlich sieht.
Weshalb Mikrowellenherde häufig ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen
Die Vorstellung von der Mikrowelle als „Keimkiller“ ist weit verbreitet. Physikalisch betrachtet trifft sie allerdings nur teilweise zu. Mikrowellenstrahlung versetzt die Wassermoleküle im Essen in Bewegung und erwärmt dadurch die Speise. Damit Bakterien tatsächlich absterben, müssen jedoch im gesamten Gericht ausreichend hohe Temperaturen erreicht werden – im Kern meist deutlich über 70 Grad und über mehrere Minuten hinweg.
Im Alltag erwärmen sich jedoch häufig die Ränder und oberen Schichten stark, während das Innere nur lauwarm bleibt. An Tellerrändern, in Soßenresten oder in Käsespritzern an der Wand entstehen heiße Bereiche. Dazwischen liegen Zonen, in denen Keime überdauern oder sich später erneut vermehren können.
Mikrowellenherd sicherer machen: Reinigung und richtiges Erhitzen
Die Studie beschreibt nicht nur das Problem, sondern bestätigt auch einfache Maßnahmen, die sich in jedem Haushalt anwenden lassen.
Regelmäßig reinigen ist unverzichtbar
Fachleute raten dazu, den Garraum mindestens einmal pro Woche gründlich zu säubern – bei häufiger Nutzung entsprechend öfter. Wichtig ist dabei die Verbindung aus Fettentfernung und Desinfektion.
- Innenwände, Decke und Boden mit einem fettlösenden Reinigungsmittel abwischen.
- Ecken, Zwischenräume und den Drehteller getrennt säubern; ein herausnehmbarer Drehteller lässt sich am besten in warmem Spülwasser reinigen.
- Den Türdichtgummi vorsichtig mit einem Tuch und einem milden Reiniger abwischen.
- Abschließend ein für Lebensmittelkontakt geeignetes Desinfektionsspray oder alkoholhaltige Tücher verwenden.
Ein bekannter Haushaltstipp besteht darin, eine Schale Wasser mit einem kräftigen Schuss Essig oder Zitronensaft einige Minuten in der Mikrowelle zu erhitzen. Der entstehende Dampf weicht hartnäckige Verschmutzungen auf, sodass sie sich anschließend leichter entfernen lassen. Eine Desinfektion ersetzt diese Methode allein jedoch nicht.
Beim Aufwärmen kommt es auf die Temperatur an
Auch ein sauberer Mikrowellenherd hilft nur begrenzt, wenn Speisen lediglich unzureichend erwärmt werden. Wer möglichst sicher vorgehen möchte, sollte drei Punkte beachten:
- Speisen zwischendurch umrühren oder wenden, damit auch das Innere heiß wird.
- Eine ausreichend lange Erhitzungszeit wählen und lieber mit höherer Leistung arbeiten.
- Bei großen Portionen die Temperatur anschließend mit einem einfachen Küchenthermometer kontrollieren; im Inneren sollten mindestens 70 Grad erreicht sein.
Bereits abgekühlte Reste sollten nicht wiederholt nur lauwarm erwärmt werden. Sinnvoller ist es, sie einmal gezielt stark zu erhitzen und anschließend zeitnah zu essen oder zu entsorgen.
Warum Forscher diese Bakterien besonders interessant finden
Die überraschende Vielfalt an Keimen im Mikrowellenherd sorgt nicht nur für Besorgnis, sondern auch für wissenschaftliches Interesse. Organismen, die Hitze und Strahlung problemlos überstehen, könnten sich als wertvolle Werkzeuge für Forschung und Industrie erweisen.
Denkbare Einsatzfelder in Biotechnologie und Industrie
Mehrere Forschungsteams untersuchen, wie sich besonders widerstandsfähige Mikroben verwenden lassen. Diskutiert werden unter anderem:
- der Abbau organischer Abfälle in heißen oder radioaktiv belasteten Umgebungen
- die Produktion hitzebeständiger Enzyme für die Chemie- und Pharmaindustrie
- Modelle für Leben unter extremen Bedingungen, beispielsweise in der Raumfahrtforschung
Gerade ihre Fähigkeit, in einem gewöhnlichen, aber lebensfeindlichen Umfeld wie einem Mikrowellenherd zu bestehen, macht diese Bakterien interessant. Sie geben Hinweise darauf, mit welchen Strategien Mikroorganismen Belastungen aushalten – von dicken Schutzschichten bis zu besonders gut reparierbarer DNA.
Haushaltskeime realistisch bewerten
Viele Menschen setzen Bakterien automatisch mit Krankheit gleich, doch die Wirklichkeit ist differenzierter. Ohne Mikroben gäbe es weder Joghurt noch Sauerteigbrot, unsere Darmflora wäre nicht vorhanden, und selbst auf der Haut leben nützliche „Bodyguards“. Im Haushalt sind vor allem Menge, Art und Fundort der Keime entscheidend.
Zur groben Orientierung dient folgende Einordnung:
| Ort | Typische Keimlage | Risiko |
|---|---|---|
| Schwamm, Spültuch | sehr hohe Keimzahl, feucht-warm | hoch, direkter Kontakt mit Geschirr und Händen |
| Mikrowelleninnenraum | viele Arten, teils sporenbildend | mittel bis hoch, abhängig von Verschmutzung |
| Arbeitsplatte | wechselnde Keime durch Lebensmittelkontakt | mittel, gut kontrollierbar durch Reinigung |
Im direkten Vergleich ist ein Mikrowellenherd nicht zwangsläufig stärker belastet als andere Flächen. Kritisch wird es vor allem, wenn Lebensmittelreste über Tage an den Wänden haften und niemand die Reinigung übernimmt.
Praktische Hygienetipps für Haushalt und Büro
Mit wenigen festen Gewohnheiten lässt sich das Risiko spürbar reduzieren, ohne dass der Mikrowellenherd übermäßig pflegeintensiv wird:
- Speisen stets mit einem Deckel, einer Abdeckung oder einer Tellerhaube erwärmen.
- Sichtbare Spritzer unmittelbar nach dem Erhitzen mit einem feuchten Tuch entfernen.
- Im Büro oder in der WG wöchentliche feste Reinigungstage vereinbaren.
- Bei Magen-Darm-Infekten im Haushalt besonders gründlich putzen und Tücher häufiger austauschen.
Wer diese Grundregeln befolgt, verringert nicht nur die Gefahr akuter Magen-Darm-Beschwerden. Die gesamte Keimbelastung bleibt niedriger, und besonders hitzeresistente Bakterien haben weniger Gelegenheit, sich dauerhaft anzusiedeln.
Menschen mit geschwächtem Immunsystem, etwa nach schweren Erkrankungen oder im höheren Alter, sollten noch genauer hinschauen. Für sie kann es sinnvoll sein, Geräte regelmäßig zu überprüfen, den Drehteller bei Bedarf auszutauschen und bei sichtbaren Schäden im Innenraum einen Neukauf in Erwägung zu ziehen.
Das Bild ist letztlich überraschend eindeutig: Ein Mikrowellenherd ist kein Sterilgerät, sondern ein weiterer Ort, an dem sich Mikroorganismen ansiedeln können. Mit wenigen gezielten Maßnahmen lässt sich das Risiko deutlich begrenzen – damit die schnelle Küche praktisch bleibt, ohne krank zu machen.
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