Wer heute ohne Klimaanlage schläft, kennt die schwüle Qual von Hitzewellennächten. Angesichts dieser erdrückenden Hitze wirkt der Griff zum Ventilator nahezu unwiderstehlich – ist das eine gute oder eine schlechte Idee?
Nach der unerträglichen Hitzewelle Ende Juni und derjenigen, die uns im weiteren Verlauf des Juli bevorsteht, werden wir bis zum Schulbeginn wohl genügend Tropennächte erlebt haben. Stundenlang klebt das durchnässte Laken wie eine zweite Haut am Rücken, während sich das Kissen so warm anfühlt wie ein vergessenes Stück Pizza. Da vermisst man beinahe das graue Novemberwetter und die deprimierenden Bemerkungen von Bürokollegen, die sich über fehlenden Sonnenschein beklagen. Fallen die Temperaturen nachts nicht unter 25 °C, scheint Einschlafen kaum möglich. Denn um in den Schlaf zu finden, muss unser Körper seine Kerntemperatur um etwa ein halbes Grad senken; ist die Umgebungsluft jedoch derart stickig, gerät die natürliche Temperaturregulierung an ihre Grenzen.
Ventilator bei Hitzewelle: eine falsche Hilfe?
Inzwischen gibt es hervorragende Möglichkeiten, dieser Tortur zu entkommen, etwa kühlende Matratzen. Sie funktionieren sehr gut, sind aber nicht für jedes Budget erschwinglich. Am einfachsten ist es daher, den bewährten Ventilator hervorzuholen und darauf zu hoffen, dass seine rotierenden Flügel uns vor der Hitze bewahren. Doch ist es tatsächlich so klug, die ganze Nacht warme Luft umzuwälzen?
Im Unterschied zu einer Klimaanlage senkt ein Ventilator die Lufttemperatur nicht. Er bewegt lediglich die Luft und erzeugt einen Luftzug, durch den unser Schweiss verdunstet und die Haut abkühlt. Alles, was die Luftströmung verstärkt – also auch ein Ventilator –, entzieht allerdings Mund und Nasengängen Feuchtigkeit. Der Schleimfilm in der Nase verdunstet, weshalb wir nach acht Stunden Laufzeit mit einem kratzigen Hals und einer ausgetrockneten Nase aufwachen.
Trockene Atemwege und Staub durch den Ventilator
Reagiert der Körper darauf mit einer verstärkten Schleimproduktion, kann die Nase sogar stärker verstopft sein als zuvor. Ausserdem wirbelt der Luftstrom Staub und Pollen im Raum auf, ebenso wie die Partikel, die sich auf den Rotorblättern selbst angesammelt haben. Dadurch sind Ihre Lungen einem besonders aggressiven Mix aus Mikropartikeln ausgesetzt.
Um diese Nachteile zu verringern, sollte das Gerät niemals direkt auf den Kopf gerichtet sein und in zwei bis drei Metern Abstand zum Bett stehen. Verfügt Ihr Modell über eine Schwenkfunktion, aktivieren Sie diese: So entsteht eine indirekte Luftzirkulation. Reinigen Sie den Ventilator zudem regelmässig, damit er nicht zur Staubturbine wird. Stellen Sie, wenn möglich, eine Abschaltung nach 30 oder 60 Minuten ein – gerade lang genug, um einzuschlafen. Sind Sie erst einmal eingeschlafen, sinkt Ihre Körpertemperatur von selbst, sodass der Ventilator keinen Nutzen mehr bringt.
Den Ventilator nachts sinnvoll einsetzen
Auf diese Weise verwendet, nützt ein Ventilator bei unerträglichen Nachttemperaturen mehr, als er schadet. Dr. Len Horovitz, Pneumologe am Lenox Hill Hospital in New York, erklärt: „Ein Ventilator ist keineswegs giftig, und Luft zirkulieren zu lassen, ist völlig unbedenklich.“ Er macht Sie weder krank, noch kühlt er Sie so stark aus, dass Sie sich erkälten: Die Redewendung „sich erkälten“ ist physiologisch unsinnig, weil sie Ursache und Wirkung verwechselt. Nicht Kälte löst eine Infektion aus, sondern der Kontakt mit Krankheitserregern, die in der Wintersaison häufiger vorkommen. Ist die Luft in Ihrem Schlafzimmer sauber, gilt das auch für die Luft, die Ihr Ventilator bewegt: Eine leicht trockene Nase am Morgen ist immer noch besser, als die ganze Nacht im eigenen Schweiss zu liegen.
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