Die meisten Menschen schenken dem Schwamm neben der Spüle kaum einen zweiten Gedanken. Neue Forschungsergebnisse legen jedoch nahe, dass er stärker zur Umweltverschmutzung beiträgt als bislang angenommen.
Wissenschaftler stellten fest, dass beim alltäglichen Geschirrspülen winzige Kunststoffpartikel aus Schwämmen freigesetzt werden. Manche Varianten geben dabei deutlich mehr Material ab als andere.
Gleichzeitig verweist die Studie auf einen noch wichtigeren Faktor für die Umweltbilanz: die beim Spülen verbrauchte Wassermenge. Zusammen verlagern diese Erkenntnisse den Blick weg von der Frage, was wir verwenden, hin zu der Frage, wie wir es verwenden.
Verschleiß von Schwämmen an der Spüle
In den Küchen der freiwilligen Teilnehmenden zeigten drei verbreitete Schwammdesigns nach dem täglichen Einsatz bereits deutlich sichtbare Abnutzung an ihren Oberflächen.
Auf Grundlage dieser gebrauchten Haushaltsschwämme wiesen Forschende der Universität Bonn nach, dass Varianten mit einem höheren Kunststoffanteil wesentlich mehr Material in den Abfluss abgaben.
Dieser Unterschied blieb bestehen, selbst wenn sich zwei europäische Schwämme in ähnlichem Umfang abnutzten: Das Modell mit 59,3 Prozent Kunststoff verlor insgesamt deutlich mehr Material.
Der Verschleiß allein erklärte also nicht, was im Abwasser landete. Deshalb muss die Zusammensetzung der Materialien genauer betrachtet werden.
Wie Schwämme Mikroplastik freisetzen
Sobald sich abgeriebenes Material vom Schwamm löst und abgewaschen wird, entsteht Mikroplastik – winzige Kunststoffteile, die beim täglichen Scheuern entstehen.
Jede Bewegung über einen Teller oder eine Arbeitsfläche erzeugt Reibung und trägt nach und nach Partikel sowie Fasern ab. Je kräftiger geschrubbt wird, desto mehr Material wird freigesetzt.
Allerdings verhalten sich nicht alle Schwämme gleich. Da sie aus unterschiedlichen Schichten bestehen, lag der Kunststoffanteil beim organischen Schwamm bei nur 15,9 Prozent, gegenüber 59,3 Prozent bei einer herkömmlichen Variante.
Dieser Unterschied erklärt, weshalb sich zwei Schwämme ähnlich stark abnutzen können, dabei aber sehr unterschiedliche Mengen Kunststoff abgeben.
Ergebnisse aus echten Küchen
Um die tatsächlichen Vorgänge zu erfassen, mussten die Forschenden über das Labor hinausgehen und reale Küchen untersuchen.
Menschen spülen nicht auf dieselbe Weise. Einige schrubben kräftiger, andere spülen länger nach, und manche verwenden ihren Schwamm über Wochen, während andere ihn rasch entsorgen.
Das Team setzte deshalb auf Citizen Science und verteilte Schwämme an freiwillige Haushalte. Die Teilnehmenden wogen die Schwämme vor und nach mehreren Wochen Nutzung und hielten Angaben wie ihre Abspülgewohnheiten, den Einsatz von Spülmittel und die tägliche Dauer des Geschirrspülens fest.
Diese Daten aus dem Alltag erfassten einen Aspekt, der in Labortests häufig fehlt: wie gewöhnliche Gewohnheiten Verschleiß und Abnutzung beeinflussen.
Maschine gegenüber echtem Geschirrspülen
Zurück im Labor nutzten die Forschenden eine Maschine namens SpongeBot, um die Folgen rein mechanischen Verschleißes getrennt zu untersuchen.
Das Gerät drückte nasse Schwämme unter Wasser wiederholt zusammen und ahmte damit die Bewegung beim Schrubben nach – ohne Speisereste und ohne Unterschiede im menschlichen Verhalten.
Der größte Materialverlust trat früh auf, innerhalb der ersten paar hundert Zyklen. Das deutet darauf hin, dass neue Schwämme zu Beginn ihrer Nutzungsdauer am meisten Material abgeben könnten.
Doch selbst eine Maschine wie SpongeBot konnte die unübersichtliche Realität einer Küchenspüle nicht vollständig nachbilden. Genau deshalb blieben die Daten aus den Haushalten so wichtig.
Wasserverbrauch bestimmt die Umweltwirkung
Als die Forschenden die Auswirkungen über den gesamten Lebenszyklus jedes Schwamms ermittelten, dominierte der Wasserverbrauch fast alle anderen Faktoren.
Ihre Lebenszyklusanalyse, also eine umfassende Bilanz der Produktfolgen, zeigte, dass Wasser etwa 85 bis 97 Prozent der Schäden an Ökosystemen verursachte.
Beim Spülen von Hand fallen Wasseraufbereitung, Abwasserbehandlung, Rohrleitungen und Energieverbrauch an. Jede zusätzliche Minute bei laufendem Wasserhahn erhöht daher die Umweltwirkung.
Die Ergebnisse entlasten Schwämme dennoch nicht, sie verschieben jedoch den größten Hebel vom Einkauf hin zum Spülverhalten.
Kleine Partikel, großes Problem
Für einzelne Personen erscheinen die Mengen gering. Je nach Schwammtyp werden pro Jahr ungefähr 0,6 bis 4,3 Gramm Mikroplastik aus Schwämmen freigesetzt.
Hochgerechnet summieren sich diese kleinen Mengen jedoch schnell. In Deutschland entspricht das jährlich etwa 63 bis 391 Tonnen, bevor die Abwasserbehandlung den größten Teil davon zurückhält.
Auch wenn rund 90 Prozent entfernt werden, gelangen jedes Jahr mehrere Tonnen in Süßwassersysteme oder landwirtschaftlich genutzte Böden. Ein einzelner Schwamm mag unbedeutend wirken, die gemeinsame Wirkung ist es jedoch keineswegs.
Mikroplastik jenseits von Schwämmen
Eine aktuelle Übersicht zu Küchenutensilien zeigte, dass nicht nur Schwämme Kunststoff abgeben, wodurch das Bild der Belastung in Haushalten umfassender wird.
Kunststoffschneidebretter können schätzungsweise 7,4 bis 50,7 Gramm pro Person und Jahr freisetzen – deutlich mehr als Schwämme.
Ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation weist darauf hin, dass Menschen solchen Partikeln zudem über Lebensmittel, Wasser und Luft ausgesetzt sind.
Vor diesem größeren Hintergrund bleibt das Design von Schwämmen relevant, selbst wenn die Spüle nicht die größte Quelle darstellt.
Bio ist nicht immer besser
Ein Ergebnis widerspricht einfachem Marketing: Der als organisch vermarktete Schwamm setzte zwar am wenigsten Kunststoff frei. Sein niedrigerer Kunststoffanteil von 15,9 Prozent trug dazu bei, dass die jährliche Freisetzung pro Person bei ungefähr 0,6 Gramm lag.
Die Studie stellte jedoch auch fest, dass verschiedene Polymere unterschiedlich zerfallen. Eine geringere Masse bedeutet daher nicht in jedem Umfeld automatisch einen geringeren Schaden.
Verbraucherinnen und Verbraucher werden hier kein perfektes grünes Siegel finden, sondern lediglich Zielkonflikte, die genauer beachtet werden sollten.
Einfache Wege, die Umweltwirkung zu senken
Die deutlichste Erkenntnis beginnt am Wasserhahn, lange bevor ein Schwamm die Spüle erreicht.
Weniger fließendes Wasser zu verwenden, verringert sofort die größte Umweltbelastung und reduziert den Aufwand für die Aufbereitung, noch bevor die Materialien des Schwamms überhaupt ins Spiel kommen.
Gleichzeitig helfen Schwämme mit weniger Kunststoff und eine längere Nutzung dabei, die Auswirkungen der Herstellung zu begrenzen und die Menge des abgeriebenen Materials zu senken.
Zusammen zeigen diese Entscheidungen einen umfassenderen Blick auf Nachhaltigkeit – einen Blick, der sowohl tägliche Gewohnheiten als auch die verwendeten Materialien berücksichtigt.
Daraus ergibt sich ein einfacher, aber bedeutsamer Zielkonflikt: Kleine Fragmente lösen sich an der Schwammoberfläche, während größere Umweltkosten aus dem Wasserhahn entstehen.
Künftige Forschung könnte die genauen Zahlen zwar weiter präzisieren, doch die zentrale Botschaft ist bereits klar: weniger Wasser verwenden und weniger Kunststoff kaufen.
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